Wahlkampf #3

Zur Sozialisierung des Menschen gehört mehr, als die Schule und ein funktionierendes Bildungssystem. Der Staat ist zweifellos nicht in der Lage, Sorge für die Entwicklung eines Menschen zu tragen. Offengestanden versucht er mir dies viel zu viel und in einer Form die keinem hilft, betrachtet man die Entwicklung von „Kind versorgt: von der Krippe bis zum Studium“.

Das eigentliche Thema ist Kindheit.
Kindheit muss geschützt werden! Dazu gehört ein liebendes, stabiles Elternhaus, eine intakte Umwelt und ein funktionierendes Bildungssystem.

Wer Begründungen hierfür sucht, sei verwiesen, auf die sehr guten Bücher von Alice Miller, im Besonderen auf „Am Anfang war Erziehung“ beziehungsweise auf die Bücher von Remo Largo.
Wer sich einen schnellen Überblick, über die seelische Dekonstruktion durch Kindheitserfahrung verschaffen möchte, kann dies durch Pink Floyds „The Wall“ haben.

Kindheit subsumiert sich unter das Thema Erziehung und die ist in einem System mit doppelter Berufstätigkeit immer mehr in die Hände des Staates gelegt (auch hier wieder: Krippe, Kindergarten, Vorschule, Schule, Weiterführende Schule).
Und Erziehung umfasst den Aspekt Schule und Bildung.
Hier wird der Staat verantwortlich, der durch die Einrichtung der Schulen, durch die Ausbildung und Zahl der Lehrer, durch Lehrpläne Einfluss nimmt, auf das was aus unseren Kindern wird.
Ich sehe, was das Bildungssystem angeht, fünf wesentliche Punkte, die eine gute Politik im Sinn der Kinder, der Eltern und Gesellschaft erfüllen muss:

Die Klassengröße darf zwanzig Schüler nicht überschreiten. Zwölf wären optimal, zumindest gilt ein Dutzend Mitarbeiter, im Berufsleben, als maximal führbare Zahl, für einen Team-Leiter. Also: mehr Lehrer!

Mehr Sozialarbeiter: Wenn die Integration von Flüchtlingen, die Unterstützung von Kindern aus sozial prekären Verhältnissen gelingen soll, ist mehr nötig, als Wissensvermittlung.

Verbesserte Bedingungen für Lehrer: Wenn es zu immer mehr unguten Arbeitsverhältnissen bei Lehrern kommt, wird auch die Qualität des Unterrichts sinken (die schlechten Lehrer sind schlecht, als Beamte oder in Jahresverträgen). Wenn ein Lehrer vor den Ferien die Kündigung erhält und sechs Wochen später (nach den Sommerferien) wieder eingestellt wird, ist das unzumutbar.

Die Löhne müssen steigen. Damit Eltern ihrer Erziehungsaufgabe gerecht werden können, müssen die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung so gestaltet sein, dass keine medienüberdosierten Schlüsselkinder entstehen. Lehrer können nicht ausgleichen, was an Erziehungsversagen in den Elternhäusern stattfindet, ein wesentlicher Punkt ist der zunehmend ungebremste Medienkonsum bei Jugendlichen, mit allen Folgeproblemen. Berufstätige Eltern müssen so verdienen, dass ihnen Zeit für ihre Kinder bleibt (durch Teilzeitbeschäftigung).

Schulen müssen mit Bildungsmitteln, Räumlichkeiten und einer „Enriched Environment“-Ausstattung attraktiv gemacht werden. Man lernt nur dort gut, wo man sich wohl fühlt und Unterricht anschaulich ist.

Insgesamt benötigt ein Bildungssystem Wahlmöglichkeiten. Denn so unterschiedlich Menschen sind, so unterschiedlich sollte auch das Angebot an sein, wie Menschen Bildung finden: praktisch, theoretisch, eher im Sinn von Kultur, Sport, Technik usw., als langsam Lernende oder als Turbo-Lerner.

„Ohne eine heitere und vollwertige Kindheit verkümmert das ganze spätere Leben.“
Janusz Korczak*
(1878 – 1942 (in Treblinka vergast)), eigentlich Henryk Goldszmit, polnischer Kinderarzt und Pädagoge, bedeutendster Schriftsteller Polens, 1972 Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (posthum))*

PGF 08/17

*Quelle: https://www.aphorismen.de/zitat/193121

4 Kommentare zu “Wahlkampf #3

  1. Ich denke Klassengrößen von 12 max. 20 Schülern, davpn können wir nur träumen. Ich war ja schon froh, als ich auf der weiterführenden Schule in eine Klasse gekommen bin mit 28 Mitschülern. 32 waren in der Grundshule keine Seltenheit, erst in der Oberstufe wurde es mit 18 Schülern besser…

    Im Allgeminen muss die Aufmerksamkeit mehr auf soziale Berufe gelenkt werden, jedoch sind sie kaum wirtschaftsfördernd und so lange die Bankiers, Markler und Manager ihre gottesgleichen Löhne bekommen und der Lobbyismus stimmt ist doch alles in Ordnung.

    • Man darf ja mal träumen … 😉
      Ich habe mir 2 Jahre das „Vergnügen“ gegönnt zu unterrichten. Zielzahl der Schule (Privatschule) lag bei 30. Unmöglich vernünftig zu unterrichten. Deshalb bin ich zurück in die Praxis.

      Und natürlich beschreibst du die Realität zynisch-perfekt. Aber ohne gesunde, gebildete Bürger braucht man keine Bänker, Markler und Manager, da genügen schlecht bezahlte Sklaventreiber 🤑.

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