Motive und Menschen

Ich erzähle es einmal anders herum.
Ich erzähle es im Sinn eines Humanisten und Romantikers.
Nicht im Sinn des Kulturpessimisten und Systemkritikers.
Es gibt dabei kein Gut und Böse. Das gibt es in der Liebe nie.
Es geht auch nicht, um echte Liebe, wahre Liebe oder gutes Handeln.
Vieles schlecht Gedachte hat sich Früchte treibend erwiesen und mancher große Wurf war fatal.
Es geht darum, was einen Menschen antreibt. Warum er etwas tut.
Es ist ein erfundener Zusammenhang, in jedem Fall ist es eine Interpretation.
So interpretiert, wie ich gerne interpretiere.

Sagen wir, ganz zu Anfang der 90er des letzten Jahrhunderts, finden ein mäßig erfolgreicher ITler, der für eine taiwanische Mobilfunkgesellschaft arbeitet und eine junge, ambitionierte Schriftstellerin zusammen. Sie verlieben sich und werden ein Paar.
Der ITler hat bis dahin mit Büchern wenig zu tun, aber die Liebe zu der jungen Frau, weckt sein Interesse. Durch sie hat er eine Idee, für eine neue Form des Buchhandels.
Die Idee, die er hat, hat er nicht nur als Wirtschaftler oder ITler (das kombiniert sich nur), sondern viel stärker, als Ehemann einer Schriftstellerin.
Er sieht, wie schwer es Autoren haben, wie Verlage den Markt und die Preise diktieren, wieviel sie einstreichen und, wie wenig den Autoren bleibt.
Die Idee entwickelt sich, vom Start weg, gigantisch gut.
Der ITler wird selten positiv gesehen. Er gilt, als wirtschaftlicher Hardliner, als Schrecken für Verlage und Zeitungen. Er wird als jemand beschrieben, dem es nur um Macht und um Geld geht … und wahrscheinlich ist es so besser beschrieben: mit den Bösen, die nur böse Motive haben und mit Glück zum Erfolg kommen und mit den Guten, die nur das Gute wollen und tragisch scheitern …

In den folgenden Jahren sieht er (und die Berichte seiner Frau belegen es), dass die meisten Autoren nie die geringste Chance haben, sich bei einem Verlag zu etablieren.
In dieser Zeit entwickelt sich das Ebook. Es entwickelt sich eine ganze neue Art des Lesens und des Bücher beziehens. Auch hier ist der ITler vorne dabei. Wieder geht es, um Bücher, um Schreiben und um Lesen, wie es der Lebensinhalt des Menschen ist, den er liebt.
Er schafft eine Plattform, mit der jeder Autor, mit seinen Mitteln, Kontakt zu Lesern aufnehmen kann. Allein die Leser entscheiden, ob und was sie lesen wollen oder nicht.
Damit hat er dem Menschen, den er liebt, ein Umfeld geschaffen, wie es für Autoren wünschenswert ist: Viele Leser, Bücher im Eilversand, digitale Bücher, eine Plattform für Selfpublisher, mit einer Vielzahl kostenfreier Unterstützungsmöglichkeiten.

Ich glaube – in meinen guten Stunden – dass die meisten Menschen, in irgendeiner Form, ein gutes Motiv haben. In diesem Fall war es die Liebe, eines kreativen Menschen, zu einer Schriftstellerin, der er nach und nach alles geschaffen hat, womit sie es schwer hatte.
Was dafür spricht? Der Zeitpunkt an dem sie zusammenfanden und was ab dann geschah.

Der Name der Frau, der Name des Mannes: ein kleines Rätsel.
Gibt es die beiden Menschen: Ja.
War wirklich Liebe das Motiv? Wer weiß das schon …

PGF 08/17

6 Kommentare zu “Motive und Menschen

  1. Ich hoffe, dass deine Interpretation stimmt, sie ist zumindest plausibel. Ansonsten, auch wenn da noch andere Motive eine Rolle gespielt haben sollten, nicht so schlimm, oft genug verstehen wir die Komplexität unserer eigenen Antriebe nicht. Wie du schon sagst, es geht nicht nur darum, was wir wollen, es geht auch darum, was daraus wird.

  2. Egal ob wahr oder nicht die Geschichte beschreibt menschliche Motive spannend und aus einem selten gelesen Blickwinkel, Danke dafür ☺

    Ich habe mich schon oft gefragt ob es gut oder schlecht ist wie in den letzten Jahren immer mehr Möglichkeiten auftauchen. Entscheidungsfreiheit ist ein Fluch in dessen Nebel die Freiheit liegt.

    Liebe Grüße

    Laura

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