Liebst du mich?

»Liebst du mich?« Das ist ein zarter Satz. Ein vorsichtiges, suchendes Bedürfnis nach Klarheit und Sicherheit. Er hat nichts mit Fordern und Vereinnahmen zu tun.

»Liebst du mich?« ist leise und reicht weit zurück, zurück bis in frühkindliche Tage, wenn unser Denken erwacht. Wir haben die Frage nicht gestellt, sondern mit ihr, sie sorgenvoll denkend, unsere Umwelt untersucht: »Liebst du mich?«: ohne Liebe und Fürsorge kann kein Kind überleben. Daher die Angst vor dem Nein …

Diese Frage wächst mit uns, still und verschüttet in unserem Herzen. Ob wir sie denken, fühlen, aussprechen: sie ist das Verletzlichste an uns. Viele vergessen sie oder verzweifeln an ihr oder glauben nicht mehr, dass die Antwort auf sie jemals ehrlich sein wird. »Liebst du mich?« »Wer glaubt noch an die Liebe!«

»Liebst du mich?« Darauf gibt es kein einfaches Ja. Nicht einmal für die Kinder, die sich versichern wollen, ob sie willkommen sind.
Nur: »Liebst du mich jetzt: in diesem Augenblick?« könnte ein Mensch verlässlich mit Ja beantworten.
Die tiefe Sehnsucht nach Sicherheit, wäre damit nicht gestillt.

Es ist wichtig Frieden mit dieser Sehnsucht zu schließen, denn die Frage bleibt.
Und – vielleicht – wenn wir uns bemühen, sie in anderen nicht zu enttäuschen, wird sie mit einer Liebe beantwortet, die wir nicht erfragen müssen.

07/17 PGF

10 Kommentare zu “Liebst du mich?

  1. das geht tief und hinterlässt mich mit Erinnerungen und mit einem Ja und Nein- wie einfach es ist, wie schwierig, wie aussichtslos, wir alles umfassend…

  2. und doch ist es manchmal ganz einfach. ja.
    aber es gibt auch das schwanken, die unsicherheit… immer wieder.
    dein text geht tief und ich finde ihn, wie so vieles bei dir, wunderbar, lieber pe!
    glg, d.

  3. mit der liebe, und da ist sie wohl ein einzelfall, können wir zum glück bedenkenlos großzügig sein. und da meine ich ausdrücklich aber nicht sorglos oder gedankenlos.
    daher gibt es für mich in dieser frage ein ganz klares ‚einfaches‘ ja. das die antwort, wie auch die frage (kurz)zeitgebunden ist, glaube ich, spricht für sich. gesichert ist nie etwas im leben, außer der tod.

  4. Ein tiefgrünidger Text und zwischen den Zeilen, ist ganz knapp und kurz immer wieder nur eins versteckt, „liebe um geliebt zu werden“. Es ist ja so einfach die Liebe zu finden, das Verliebt sein zu leben. Sogar den Schmerz zu ertragen kann einfach sein, wenn man weiß für was man sich entschieden hat und das bedingungslos wieder tun würde. Liebe hat etwas mit Würde und Verantwortung zu tun, für sich und dem Gegenüber. Ich glaube unser Ansichtsweise für die Liebe ist manchmal zu verdreht, sodass wir uns auf die Antwort einer simplen Frage berufen. Wie du so schön sagt, wird die Sehnsucht auf die Antwort nicht vergehen..wenn die Beantwortung der Frage das Ziel wäre, ist wie bei allem der Weg entscheident.

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