Sisyphos

Sisyphos

Es gibt Tage, da rollt sich der Stein leicht.
Da macht mir der Schweiß nichts
und die Fliegen
und das Gespött der Wegelagerer,
da bin ich mutig auf dem Weg nach oben.
Und, wenn mein Stein nach unten rollt,
dann bin ich stolz,
ihn diesen ganzen Weg hinauf geschoben zu haben.

Aber dann – dann gibt es auch die anderen Tage,
da die Seele weit und das Herz einsam werden.
Da würde ich, wenn ich an sie glauben würde,
die Götter bitten, mir das zu erlassen
und ihnen erklären, dass ich ungeeignet bin …
dass ich besser
beim Wolkenbeobachten aufgehoben bin
oder beim Bestaunen eines Sonnenuntergangs
oder beim Hören des Wellenspiels.

Aber es ist still,
weil es die Götter nicht gibt,
nur den Stein –
und die Seele bleibt weit und das Herz einsam.

PGF 06/17

11 Kommentare zu “Sisyphos

  1. Gefällt mir ausnehmend gut. Sehr viel Kraft und Wucht in den Worten. In der mittleren Strophe würde ich mir noch ein bisschen Feinschliff wünschen – aber hey, egal.
    Liebe Grüße!

      • Da quält sich nichts den Fuji hinauf, das Bild der Schnecke ist bedächtig und die Geschwindigkeit ist angemessen. Sie hat alle Zeit der Welt sich zu wundern. Und das tut sie.. wenn es denn sein muss.
        Ein super Gedicht ist das.

      • Klar, das ist ein Bild. Das habe ich in einem Kalender, den ich von meiner erwachsenen Tochter geschenkt bekam, gefunden. Das hat mir wirklich gut gefallen. Es passt wunderbar zu meinen Gedanken. 🙂

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