Zahlen

Oder: Was man als Selbstverleger so erwarten kann:

Wir mir meine Statistik, an Hand der Referrer und Suchbegriffe verrät, kommen immer wieder Besucher auf meine Seite, denen wohl weniger an meinen Texten liegt, sondern die auf der Suche nach Informationen sind, wie man sich, als Selbstverleger so durchs Leben schlägt.
Deshalb bin ich heute großherzig und gewähre einen Blick in die Geschäftsbücher.
Missgünstige Blicke mögen sich an den schwachen Zahlen erfreuen, hoffnungsvolle mögen sich an den starken Zahlen damit konfrontieren, was als Erfolg zu verbuchen ist.
Wie erwähnt ein Fallbeispiel, keine Marktanalyse. 😉

Zu Bedenken ist: Ich schreibe keine Fachbücher, da mag der Erfolg oder Misserfolg anders aussehen.
Ich spekuliere nicht auf Marktströmungen, also ich mache keine nackte Frau aufs Cover die lasziv guckt, nenne das ganze „Die Analen der O.“ und formuliere jeden Satz so schlüpfrig, wie es die FSK18 erlaubt.
All das kann sehr verkaufsfördernd wirken und es ist legitim sein Geld so zu verdienen.
Ich muss so nicht und möchte so nicht, deshalb schreibe ich meine Geschichten nach meinem Gusto.

Fangen wir mit dem Niederschmetternden an:
„Soanta & Paolo“: Die Verkäufe tendieren Richtung 0, wenn es 25 Exemplare in 10 Jahren sind, übertreibe ich wahrscheinlich. Schade, denn die Sterne die es bei amazon hat, hat es sich verdient. Problem: Nicht zeitgemäß.
„Die Revolte“ bzw. „Sontland“: Einige 100 verschenkte Ebooks ganz am Anfang meiner Kindle-Zeit, ansonsten Totenstille.
Problem: zu ernst.
„Die Zeitspuren“: Sind es 10 Exemplare? Ich weiß es nicht. Problem: Man sagt Gedichte verkaufen sich nicht mehr.
„Die Heimkehr“: Obacht! Alles in allem werden es etwas weniger als 3000 verkaufte Exemplare sein. Nö! Sind keine zwei Nullen zu viel. Die „Heimkehr“ war mein Glücksgriff und stand zu meiner Freude eine Zeitlang in ihrem Genre bei amazon auf Platz 1
Wie kommt es? Ich hatte Spaß beim Schreiben, die Leser Spaß beim Lesen 😉
„Die Rückkehr“: Aktuell bin ich bei knapp 550 verkauften Exemplaren und verbuche dies, als absolut erfreulich, denn jeder 6. Leser wollte wissen, wie es mit den Aurumern weitergeht. Dass sich ein Teil, nach der „Heimkehr“ verabschiedet hat, empfinde ich, als natürlichen Selektionsprozess. Ich hätte nie, nie, nie zu hoffen gewagt, dass so viele dabei bleiben.
Deshalb sage ich hier: DANKE EUCH!

Und was lernt man daraus:
Wenn man nicht strategisch veröffentlicht, bleibt das meiste ungelesen und ist niemals kostendeckend.
Was man als Erfolg werten kann (vielleicht muss) entspringt eigener Definition, reicht aber nicht aus, um davon zu leben.
Wer gut schreibt und sich ganz darauf einlässt, kann mit gutem Marketing einen großen Schritt nach vorne machen. Mein berufliches Leben lässt mir keine Zeit Lesungen zu organisieren, Klinken zu putzen und so viel Zeit in jedes Skript zu stecken, wie es jemand kann der erfolgreich war, einen Verlag oder ein Stipendium im Rücken hat. Ich schreibe das ohne Neid, schön, wem es gegeben ist.

Mein Lebenskonstrukt ruft bei den meisten Bekannten häufig ein: Wie schaffst du das auch noch? hervor, und so gebe ich mich zufrieden, auch, wenn der Traum Schriftsteller zu sein, nicht endet.
Aber – und auch das gehört in die Betrachtung – ich helfe im Erwerbsberuf Menschen mit schwersten Erkrankungen zurück ins Leben. Das ist etwas sehr schönes, wenn auch in unserem Gesundheitssystem zunehmend mühsam.
Ob ein Buch oder die Genesung von, sagen wir von 12 Menschen, gleich viel wert ist, muss jeder für sich entscheiden. Ich denke manchmal so und manchmal so und freue mich in anderen Stunden, wenn ich bei beidem mitwirken kann.

Schriftsteller zu sein oder Künstler ganz allgemein ist nicht mehr oder weniger, als jeder andere Beruf. Für manche eine Eitelkeit. Sie legen Wert auf die Bezeichnung, ehe sie etwas vorzuweisen haben. Es gibt aber auch Menschen, deren Wesen und Bestimmung zielt auf dieses eine hin und für die ist es schön und gut in der Kunst aufzugehen.
Aber – und das sollte man nicht vergessen – auch Goethe war nicht immer Schriftsteller. Er war Jura-Student und Beamter und Privat-Gelehrter und erst am Ende, als Schluss war, erst dann wurde er im Andenken zu dem Dichterfürsten, wie wir ihn heute verstehen. So gibt es viele Beispiele von G. Benn über J. Irving oder Kafka, von denen nur der Autor blieb, aber es gab einen Menschen, wie du und ich.

Wer vom Schreiben leben will, der muss den Markt beobachten oder Journalist werden.
Wer scheiben möchte was er fühlt und was ihm wichtig ist, der kann damit Erfolg haben oder nicht und muss wissen, was er mit dem Leben anfängt, das ihm übrig bleibt.
Es ist sehr schade, dass viele ihr reales Leben als gescheitert ansehen oder zum Scheitern bringen, um sich, als Künstler zu fühlen.

Ich glaube nicht, dass die „Heimkehr“ wichtiger ist, als „Sontland“ oder besser geschrieben, aber ich habe es den Lesern zu überlassen, was sie lieber lesen möchten!
Wir sind beide frei und das ist gut so …

06/17 PGF

31 Kommentare zu “Zahlen

  1. Vielen Dank für den spannenden Einblick – auch wenn ich persönlich zu denen gehöre, denen eher mehr an Deinen Texten liegt. 😉

    „Sontland“ habe ich mir fürs Wochenende vorgenommen. Und sollte sich mein Eindruck der ersten paar Seiten bestätigen, hat es wesentlich mehr als „nur“ verschenkte Ebooks verdient! 🙂

  2. Was für ein ehrlicher und persönlicher Beitrag. Vielen lieben Dank dafür. Es macht dich unheimlich sympathisch, als Mensch, als Berufler, als Schriftsteller. Danke😊. LG Ela

  3. Auch von mir ein herzliches Danke für den Zahlenblick. Und eine noch herzlichere Gratulation zur „Heimkehr“! 3000 Exemplare ist schon eine wirklich ordentliche Zahl, das ist mutmachend klasse. Was denkst Du, liegt das „nur“ am Genre? Oder hast Du dafür mehr Werbung o.ä. gemacht?
    Bei Goethe bin ich allerdings nicht Deiner Meinung: Der war auch schon früher Dichterkönig, ist ja alt genug geworden. Ich finde, er war immer Schriftsteller. Aber eben nicht nur: Ein Schriftsteller und Naturwissenschaftler, Straßenbauer, Erzieher, Geologe und so weiter. Beides eben. Und das ist so schwer, dass ich mich Deinen Bekannten nur anschließen kann mit der Frage: „Wie schaffst du das auch noch?“
    Liebe Grüße!

    • … da siehste mal, warum ich ebooks mag 😉

      Aber im Ernst: der Ebook-Anteil betrug sicher 98% .
      Wie es kam?
      Ich bin nicht sicher – es waren vielleicht mehrere Faktoren: ich wurde in einer Longlist geführt, ich betrieb einen kleinen Blog auf einer SF-Fan-Site und ich begann täglich eine Twitter-Werberunde, alles ziemlich zeitnah und plötzlich folgten einige Wochen mit täglichen sehr vielen Downloads.

      Mit Goethe hast du natürlich recht, da habe ich etwas zu sehr in meinem Sinn formuliert.

      Dir ein schönes Wochenende
      Peter

      PS: Falls je der Wunsch besteht die Geschichte der Aurumer, als Print zu lesen, statt sich durch ein Ebook zu quälen, melde dich gern!

      • Ja – (nicht nur) in diesem Sinne sind E-Books schon großartig 🙂
        Danke für die Zusatzinfo, da ich ja immer noch am überlegen bin, was ich mit meinm „Elmsfeuer“ mache.
        Dein liebes Angebot würde ich nicht ungern in Anspruch nehmen, aber nur, wenn ich Dir als Gegengabe meinen Krimi schicken darf („Die Tränen der Vögel) – normalerweise ist das nämlich Ehrensache, dass ichdie Bücher der Kollegen auch kaufe und mir nicht schenken lasse 🙂

  4. Ja gerne! Lass mich doch deine Adresse wissen, dann können wir hin und her schicken 😉
    Hast du eigentlich eine Kontaktmöglichkeit auf deinem Blog? Ich stöberte mir die Finger wund …

    • Schön! Hab Dir über Dein Kontaktformular ne Mail geschickt. Meine Adresse ist auf der „Über mich“-Seite unten, aber gut versteckt angegeben. Sollte ich wohl mal ändern …
      Liebe Grüße!

  5. Sehr spannender Einblick. Was ich mich frage: Hättest du bei «Die Rückkehr» einen ähnlichen Erfolg haben können, wenn du gleich viel Aufwand in die Bewerbung (Twitter, Blog etc.) gesteckt hättest, wie bei «Die Heimkehr»?

    Zumindest in meiner Erinnerung habe ich das Gefühl, dass man als Leser*in vor der Veröffentlichung der «Heimkehr» viel mehr dabei war – man «spürte» dich daran arbeiten und konnte mitfühlen. Dadurch war das Buch auch präsenter. Bei «Die Rückkehr» hast du weniger Einblick in deine Arbeit gewährt. Kann es auch an der Leser*innenbindung gelegen haben?

    • Lieber Pascal schön dich zu lesen 😊. Interresanter Gedanke, für mich schwer zu beurteilen. Zumal die „Heimkehr“ um 1,5 Jahre versetzt durchgestartet ist, heißt ich kann für die „Rückkehr“ noch hoffen 😉 Werbung habe ich ähnlich viel gemacht, war ich auf dem Blog echt zu spärlich? Ich hoffe und glaube, dass einfach die Leser sich auch finden müssen und die Zahl der Fehlkäufe größer ist. Dies würde auch manche Rezi bei amazon erklären die – sagen wir: semi-fair ist und ihre Wirkung tut. Ob zu Recht oder nicht amazon-Bewertungen haben einen hohen Stellenwert, ich konnte nach jeder kritischen eine Verkaufsdelle registrieren, das macht den 2. Teil natürlich nicht attraktiv – aber es ist okay, es müssen keine amazon-Sterne sein damit man sich unterstützt fühlt! 😎

      • Danke, gleichfalls :-). So genau weiss ich das nicht mehr. Aber irgendwie konntest du mit der Veröffentlichung des ersten Teils der «Heimkehr» – zumindest bei mir – Vorfreude auf die Gesamtausgabe erzeugen. Bei der «Rückkehr» war ich zwar auch gespannt, aber es war weniger ausgeprägt. Aber das ist nur ein subjektives Gefühl. 😎

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