Systemlenker

Mein diesjähriger Harenberg-Abreisskalender (insgesamt nicht empfehlenswert) hat mich kürzlich mit einem bemerkenswerten Ausspruch F. Piëchs überrascht:

„Die Grenze der Demokratie wird dann erreicht, wenn es nichts mehr zu verteilen gibt.“

Ein sehr schöner, klarer Ausdruck was die – wie soll ich es nennen – systemrelevanten Individuen, über unser politisches System denken: Es ist ein Firlefanz der nur solange hält, wie alle lustig unterhalten und satt sind. Es geht um materielle Verteilung und nicht, um ideelle Ordnung.
Das sagt ein Mensch mit immensem, auch politischem Einfluss. Es sagt auch etwas über das Menschenbild einer solchen Führungskraft. Hobbes wäre begeistert „Der Mensch ist dem Menschen …“.
Wir sollten uns immer bewusst sein, dass unsere Systemlenker ein System lenken, um mit uns „Produktivkräften“ ihren Wohlstand zu sichern, an das sie nicht ernsthaft glauben! Es ist okay solange es die Verteilung der Güter in eine gewisse Richtung organisiert.

„Die Chance der Demokratie besteht darin, dass alle Mitglieder mehrheitlich entscheiden, was für das Wohl der Allgemeinheit das Beste ist und, wenn es nichts mehr zu verteilen gibt, weil jeder seinen fairen Anteil erhalten hat, ist sie vollendet.“
Wäre mein bescheidener Gegenentwurf …

PGF 04/17

8 Kommentare zu “Systemlenker

  1. Technokratische Maschinenpuritaner lenken die neoliberale Mega-Maschine, das ist mit Demokratie überhaupt nicht vereinbar. Wer kann oder vermag es sich anzumaßen zu bestimmen, was für das Wohl einer sognt. Allgemeinheit, das Beste sei? Was ist das Beste? Gruß.

    • Was das Beste ist? Schwer zu bestimmen.

      Da aber Zusammenleben Entscheidungen erfordert und die Wahl zwischen: gemeinschaftlich entscheiden oder der Häuptling entscheidet liegt, bedarf es einer Richtungswahl und die sollte (wenn man sich für Demokratie entscheidet) in der Hand der Mehrheit liegen, weil die auch, wenn die Einschätzung „des Besten“ falsch war, den Schaden tragen muss.
      Gruß 😉

      • Das ist gut beantwortet. Es ist sehr komplex all diese, global betrachtet, unterschiedlich entwickelten, gesellschaftlichen Strukturen zu berücksichtigen Das kling alle so toll, wenn wenig bis gar nicht differenziert. Nur mal ein
        Beispiel, das Beste in einer national ethnozentrischen Gesellschaft ist noch lang nicht das Beste für eine weltzentrische. Das fängt im Kleinen ja schon in Familien oder und Gruppenzugehörigkeiten an. Gruß 😉

  2. eine feine ideologie.
    stellt sich mir nur die leise frage: … und was dann?
    rein theoretisch, denn vermutlich wird wohl niemals alles (fair!) verteilt sein.
    sehr nachdenkenswerte zeilen, lieber pe.
    mit einem sonnigen nachmittagsgruß,
    deine d.

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