Romantiker

Romantiker sind ein Fluch!
Ihre banale Gefühlsduselei endet regelhaft in Gejammer und dort, wo der gesunde Menschenverstand Gefahr sehen würde, sehen sie Schönheit und Anmut und irgendwas Liebliches, wo nichts lieblich ist.

Deshalb lieben wir Romantik nur in Soaps, in Filmen, in der Kunst … schmachten wir mit Werther, Julia Roberts oder mit GZSZ-Figuren, anstatt die Verirrten, als das zu sehen was sie sind: Kinder die sich in ein Spiel verrannt haben und nicht mehr loslassen können.
Die sich an fixe Ideen verlieren, wie Dilettanten an ein schlechtes Werk.

Aber im realen Leben? Im Leben sind uns Romantiker lästig. Sie sind wenig produktiv, wenig effizient, wenig stabil und zuverlässig und unsere Welt lebt davon, dass wir all dies sind, denn Produktivität steht für uns über allem.
Im Ernst, wer möchte von einem Chirurg operiert werden, der gerade gefühlsduselig ist?
Seine Gefühle im Griff zu haben, ist spätestens seit der großen Katastrophe ab ´33 eine deutsche Tugend. Nur wer nicht fühlt, kann solche Taten begehen: ist fähig zum Holocaust.

Und mit einem Mal erhält die Romantik, erhält das Gefühlige eine neue Facette, eine andere Nuance. Man müsste sie vielleicht Spät-Romantik oder reife Romantik nennen. Jenes tiefe, empfindsame Fühlen – es durchzieht wundervoll das gesamte Werk von Hesse – welches immun ist gegen Barbarei und Unmenschlichkeit. Welches fühlen kann, aber in der Lage ist diesem Fühlen nicht zu verfallen: sich hingibt, ohne sich aufzugeben; sucht, wartet, hofft zu finden und liebt, mit dem Wissen, wie bitter die Frucht am Ende sein kann, wie groß das Weh, wie hart die Enttäuschung – und trotzdem glaubt an das Schöne … und trotzdem daran arbeitet, dass es schön und richtig und gut wird, auch, wenn es schwer ist.

Dagegen ist diese vernarrte, kleingeistige Romantik eine peinliche Gefühlsverirrung, die wenig weiß von einem Duft der einem das Herz leicht macht und einem Herz, welches stark genug ist, nicht flüchtig, wie ein Duft zu sein.
Nein, diese Romantik glaubt nicht ans Happyend, sie glaubt auch nicht ans Scheitern. Sie fühlt alle diese Widersprüche, Wirrung, Schuld, Hoffnungen, Zweifel und liebt, so gut sie es eben kann …

PGF 04/17

14 Kommentare zu “Romantiker

  1. „Im Ernst, wer möchte von einem Chirurg operiert werden, der gerade gefühlsduselig ist?“

    Besser so, als einem Schlächter unters Messer zu geraten.
    Nein, lieber Peter, für mich gehört Romantik zum Gefühlsleben und ohne Gefühle kein Leben.

    • Das wäre ein Beispiel, einer romantischen Betrachtung 😉 .

      Ich durfte, dem ein oder anderen Chirurgen, bei Op´s über die Schulter sehen und bei allen war ähnlich, dass im Moment, wenn der Schnitt gesetzt wird, alles auf „sachlich“ schaltet und Emotionen keinen/wenig Platz mehr haben.
      Das war gut so, ohne das einer zum „Schlächter“ geworden wäre.
      Sie haben ihren Job gemacht nüchtern und präzise.
      Die Empathie hat/sollte ihren Platz haben ehe der Patient schläft und nachdem er wieder wach ist.
      Im Moment einer OP oder im Moment eines Notfalls zeigt sich stark, wie Gefühle (in diesem Kontext) richtiges, zielgerichtetes Handeln verhindern können.

      Also: Ohne Gefühle kein Leben, aber bessere Operationen 😉

      • Ich habe auch nicht gemeint, dass der Operateur neben einer Herzkammeroperation auch noch Liebesbriefe schreiben kann 😆 😉 .

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