Gefühle

„Es gibt Gefühle, die den Einsamen töten wollen; gelingt es ihnen nicht, nun, so müssen sie selber sterben!“, schrieb Nietzsche, treffend, wie so oft, im „Zarathustra“.
Eine Ohrfeige, für jede Romantik …
Oder nicht?

Verleiht es uns nicht eine große Kraft, wenn wir wissen, dass wir Dinge bestehen können? Dass wir fähig zum „Coping“ sind und, weil wir dies wissen nie bedürftig, nie drängend, nie blind fühlen, sondern frei.
Weil Sieg oder Niederlage, weil Traurigkeit, Schmerz, Freude, Hoffnung uns nicht aus unserem Zentrum drängen, wenn wir dieses feine, schlichte und doch sichere „nun“ besitzen.
Es geht vorüber, steckt in diesem Satz, das Gute und das Schlechte.
Es ist Stoizismus in reinster Form.

Aber der Satz erzählt auch vom Wissen, wie tief Gefühle sein und, wie lange sie währen können und wie schmerzhaft die Metamorphose ist.
Denn vielleicht ist der Gedanke gar nicht, dass Gefühle sterben bis zur Gefühllosigkeit, sondern, dass ein Gefühl stirbt, um einem neuen, größeren und vielleicht klügeren Gefühl Raum zu geben.
Und dann wird´s wieder sehr romantisch …
Oder nicht?

PGF 03/17

Quelle Zitat: Also sprach Zarathustra, Friedrich Nietzsche, Reclam Universalbibliothek

8 Kommentare zu “Gefühle

  1. ja, lieber pe, genau so verstehe ich den satz von nietzsche auch, frei nach dem motto “ was uns nicht umbringt, macht uns stärker“ – und offen für neues.
    sehr, sehr fein wieder – und durchaus romantisch! 🙂

  2. Raumpatrouille | Alles mit Links.

  3. Nietzsches Version der gefühlten Saudade des Fernando Pessoa – für mich auf diese Weise betrachtet durchaus romantisch, wenn auch ohne Zuckerguss. Es bedeutet ja nicht, gefühllos zu sein, sondern nur, in der Lage zu sein, einen Gefühlsgarten zu pflegen, statt sich ohne jede Reflektion überwältigen zu lassen. Die Reflektion aber bedeutet für mich das Vermögen, sich bewusst auf viel tiefere, ausgedehntere, kritischere Gefühlsebenen einzulassen.

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