Für wen schreiben?

Als ich anfing zu schreiben, pflegte ich die trotzige Überzeugung, nur für mich zu schreiben. Im Sinn von: ob es jemand liest, ist mir doch egal, ich schreibe, weil ich gerne schreibe und wer es lesen möchte ist herzlich willkommen.
Und tatsächlich schrieb ich, viele Jahre ohne irgendwem eine Zeile zu zeigen.

Im kleinen Freundeskreis begann ich, das ein oder andere zu zeigen, mit mäßiger Rückmeldung. Das hielt mich nicht ab, weiter zu schreiben.
Da die Möglichkeiten wuchsen, entschied ich mich zu einer ersten Veröffentlichung.
Es verkaufte sich kaum ein Buch. Aber ich schrieb weiter. Für mich war es selbstverständlich: ich hörte ja auch nicht auf zu atmen …

Ich schrieb weiter und ich veröffentlichte weiter und ich begann zu bloggen.
Und mit einem Mal erlebte ich die Freude, dass jemand las, was ich in meinem Blog veröffentlichte.
Aber nicht nur das! Plötzlich begann sich eines meiner Bücher zu verkaufen und auch ein nächstes.
Ich schrieb weiter – und schrieb nicht ehrgeizig weiter, sondern beflügelt, denn ich schrieb natürlich, für die es lesen, hatte ich je etwas anders behauptet …

Aber was ist, wenn es wieder endet? Wenn keiner mehr liked und keiner mehr kauft.
Werde ich dann aufhören zu schreiben?
Ich glaube nicht. Vielleicht werde ich dann aufhören zu bloggen, aufhören zu veröffentlichen, aber schreiben werde ich nicht aufhören.
Ich höre ja auch nicht auf zu atmen.

Wahrscheinlich werde ich nie herausfinden, ob ich nur für mich schreibe oder für die anderen oder für ein nicht gegenwärtiges, intelligibles Publikum, so wenig, wie ich herausfinde für wen ich atme: mich, dich, uns.
Ich atme, schreibe und es wird seinen Sinn haben …

PGF 03/17

18 Kommentare zu “Für wen schreiben?

  1. Ja, eine philosophische Frage. Ich denke, Kreativität drückt sich immer aus – ganz egal, ob jemand zuschaut. Ganz egal auch, ob man ein neues Gericht kocht, sich in Wolken Tieren vorstellt, am Klavier ein paar Tasten drückt oder einfach nur durch die Wohnung tanzt. Aber Kunst braucht irgendwie auch ein Gegenüber. Einen Leser, einen Hörer, einen Betrachter. Ohne dieses Gegenüber schläft die Kunst. Sie wacht nur auf durch die anderen. Und der Wunsch, das eigene Geschöpf nicht nur schlafen zu sehen – der ist groß.
    Abendrotgrüße an den See zu PE!

    • Um ein bisschen mitzuphilosophieren: für mich wäre Kreativität der Prozess und Kunst das (mögliche) Ergebnis. Liegt der Schwerpunkt darauf, aus dem Ergebnis ein Produkt zu machen, ist das (vermeintliche) Qualitätssiegel „Kunst“ von verkaufsfördernder Bedeutung. Ohne kommerzielle Motivation ist die Begrifflichkeit Kunst, unwichtig, für den Künstler …
      Mit Dank-für-den-Austausch-Gruss vom See
      Pe

      • Das hieße „Kunst“ wird nur im Bezug mit Kommerz zum wichtigen Begriff? Das glaube ich nicht. Ich glaube vielmehr, dass jeder Kreative „merkt“, wann tatsächlich etwas wie Kunst dabei rauskommt 🙂 Mit Dank zurück!

  2. Meiner Meinung schreibt man zu einem Teil für sich selbst, da es ja ein Bedürfnis ist zu schreiben. Zum anderen Teil schreibt man für die Öffentlichkeit. Ich bin der Meinung es sollte unwichtig sein, ob es geliked wird oder nicht. Das wichtige am Ganzen ist, dass man geschrieben hat.
    Herzliche Grüße zum Abend
    von Ulrike

  3. Es sind, so erlebe ich das, zwei verschiedene Angelegenheiten, die natürlich nicht völlig unabhängig voneinander sind. Das Schreiben ist für manche ein Muss, für andere eine Freude, für wieder andere eine Qual, die Reaktion eines Publikums, wie groß es auch sein mag, kitzelt unser Ego, liefert Streicheleinheiten, die wohl jedem gut tun. Die kann man sich auch anders beschaffen, aber wenn man eh schon schreibt…

  4. Ich habe mich so wieder gefunden in deinem Text! Schreiben um zu schreiben! So geht es mir auch :-). Und natürlich ist es dennoch eine Freude, wenn es jemand liest und sich mit daran erfreut!
    Liebe Grüße
    Laura

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