Liegengebliebenes #7

#7 Die Sache mit Kant und Guns&Roses
Das kann jetzt etwas verwirrend werden, aber so endet es ja immer, wenn sich jemand Gedanken über die Bewertung von Kunstwerken macht.
Ich muss, als Siebzehnjähriger anfangen.
Damals hatten wir einen gut sortierten Plattenladen und einen ziemlich findigen Besitzer, der immer wusste wohin die Musik sich entwickelt. Er riet mir damals, ich solle mir eine Art Maxi (weiß noch jemand was das ist?) von einer unbekannten Band namens „Guns&Roses“ kaufen. Es waren vier Lieder auf einer LP.
Ich dachte „Man die sehen wild aus – kauf ich!“
Zu Hause angekommen legte ich die Scheibe auf den Plattenspieler und war begeistern. Nicht, weil die Stimme von Axl Rose irgendwie schön war, nicht, weil die Musik irgendeine Musiktheorie befriedigte – die Musik hatte etwas was ich nicht erklären konnte und dem ich, wie der Plattenhändler zutraute – erfolgreich zu werden. So kam es, obwohl nichts zwingend darauf hingedeutet hat.
Einige Jahre später, vielleicht sieben, ich war etwas vernünftiger geworden, aber immer noch neugierig, wagte ich mich an „Die Kritik der Urteilskraft“ von Immanuel Kant.
Auf 100 Seiten seziert der Königsberger darin die Möglichkeit den Satz „Die Rose ist schön“ zu objektivieren. Bei Kant gilt: Gut zu lesen ist anderes, aber über seinen historischen „Erfolg“ gibt es wenig zu streiten.

In jedem Fall hat man einiges Handgemenge, wenn man versucht „schön“ zu definieren. Wenn das einem gelingt, kann ein anderer zu einem ganz anderen Ergebnis kommen. Wie zum Beispiel bei der Stimme von Axl Rose. Live führt die zu Ohrbluten, aber CDs haben sie wie warme Brötchen verkauft.

Wenn ich diese Eindrücke zusammenfasse, gibt es wohl eine Wahrscheinlichkeit, dass etwas als schön (richtig, gut, willkommen) empfunden wird und erfolgreich ist und diese Wahrscheinlichkeit kann höher oder niedriger sein.
Also, was immer ich schreibe: Ich kann davon ausgehen, dass es einer Mehrheit wahrscheinlich gefällt oder nicht. Ich kann mich, ganz bewusst dafür entscheiden, nur einer Minderheit zu gefallen. Nur darf ich nicht, über den Geschmack der Masse jammern.

PGF Irgendwann/2016

3 Kommentare zu “Liegengebliebenes #7

  1. Ich weiß ja nicht, wie es mit Deinem Verhältnis zu Guns N´ Roses heute so steht, aber trotzdem:

    13.06.2017 – München

    22.06.2017 – Hannover

    Ich habe tatsächlich kurz darüber nachgedacht, diesen Herrschaften in meiner schönen norddeutschen Landeshauptstadt einen Besuch abzustatten. Das könnte die letzte Gelegenheit für ein zünftiges Ohrbluten sein. 🙂

    • Da kommt Axl auf seine alten Jahre aber noch mal zu Brot und Ehre … hat er sich nicht gerade als AC/DC Frontmann bewährt.
      Gut zu wissen, der 13. wäre zeitlich und räumlich gar nicht so weit weg.
      „Welcome to the … 🎶“

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