Selbstverständliches

Ich schlief bis kurz nach halb acht. Dann ging ich ins Bad und putzte mir die Zähne und wusch mir das Gesicht. Ich entschied mich für die kalte Variante des fließenden Wassers, die elektrische Wassertherme musste die Arbeit noch nicht aufnehmen.

Dann ging ich in die Küche und nahm aus dem Kühlschrank einige der frisch gehaltenen Lebensmittel, die mir zur Verfügung stehen: einige Wurst, einige Milchprodukte, dazu das Brot aus dem Brotkorb, auch für das weich gekochte Ei für das ich mich entschied.

Nach dem Frühstück setzte ich mich mit dem Handy auf mein Sofa und las Nachrichten öffentliche und persönliche.

Das Wetter war schön und so entschied ich mich für einen Spaziergang. Der Weg über die gut asphaltierten Straßen und kleinen Feldwege führte mich südlich zum See, mit dem Blick auf die Berge die heute Dunst verhangen waren und dann durch das nahe gelegenen Dorf. Ich musste keine Sorge haben, dass mich jemand angreift, dass jemand auf mich schießt oder in der Nähe eine Bombe fällt … für sehr viele Menschen auf der Welt ist dies nicht selbstverständlich. Die müssen, wenn sie sich schlecht genährt auf dem Weg zu einem Brunnen machen, weil ihnen das warme oder kalte Wasser aus dem Wasserhahn fehlt, fürchten, nicht mehr zurück zu kommen …

Ich lief, etwas mehr als eine Stunde und genoss die Natur und genoss die Sonne und genoss meinen gut genährten Körper und die Kleidung, welche die Kälte von mir abhielt. Ich genoss, alles, als etwas was wir jedem ermöglichen sollten und dabei habe ich noch gar nicht alles bedacht, was mir sonst noch zu Gute kommt.

Zu Hause angekommen ging ich zur Toilette und genoss die Vorzüge einer Kanalisation. Dann sprach ich mich mit meiner Familie ab, um deren Leben ich mir nicht täglich Sorgen machen muss, wie es wäre, wenn wir in einem Kriegsgebiet leben müssten.

Ich entschied mich für eine Schreibzeit und stellte die Arbeit an einem der Skripte zurück, um diese paar Gedanken aufzuschreiben. Denn, das sind die Möglichkeiten – denn es geht nicht um Schuld, – dass ich Dank der Elektrizität und dank der Technik, diese Gedanken festhalten kann: magisch auf ein digitales Blatt gebannt, und dann, über den Äther der digitalen Welt, verbreiten kann.

Damit die, die „selbstverständlich haben“, sich den ein oder anderen Gedanken machen, wie wir das Gleiche denen ermöglichen, die dies Selbstverständliche nicht haben.
Und: wie wir die begrenzen, die mit diesem Selbstverständlichen noch immer nicht zufrieden sind, sondern so von Gier zerfressen, dass sie Dach, Frühstücksei und fließendes Wasser, schon lange nicht mehr, als das erleben was sie sind: Luxus!

PGF 12/16

8 Kommentare zu “Selbstverständliches

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