Demokratie

Um Missverständnisse auszuschließen: Trump ist ein unberechenbarer Demagoge, der auf Grund mangelnder Fähigkeiten die Welt ins Unglück stürzen könnte.

Aber in einer Demokratie wählen Menschen die Regierung die sie haben wollen und die Amerikaner wählten sich Trump. So wie sich, in anderen Ländern, andere Völker ebenfalls Machthaber wählen, die man für falsch halten kann. Es ist beinah westliche Tradition geworden, dass man Länder destabilisiert, mit deren Machthabern man nicht einverstanden ist. Dann aber kann man sich das ganze Brimbamborium Wahl sparen. Dann müssen wir, ähnlich wie Platon es sich gedacht hat, höhere Menschen einsetzen die auf Grund ihrer besseren Befähigungen die Menschheit zum Guten lenken. Aber dann ist es halt nicht mehr Demokratie, sondern Aristokratie oder Diktatur, wie man es eben lieber nennen möchte.
Also, wenn es Wahlen gibt, sollten die Menschen entscheiden können, wen sie wählen und, wenn sie den Falschen wählen hat die Opposition sofort die Möglichkeit darauf zu verweisen und mit ihren Argumenten die Macht zurück zu gewinnen.
„Baba – böse“, ist ein wenig hilfreiches Argument.Es spiegelt nur eine infantile Sehnsucht nach dem Gerechten, nach dem Guten, dass eben jeder anderes interpretiert. Wenn, das gefühlte Falsche gewinnt sind die demokratischen Grundsätze Art Acta gelegt.
Was hilft nun die „Clinton wird es, Clinton muss es werden, sonst: geht gar nicht!“ Denn es ist jetzt anders entschieden und auch jetzt muss ein Dialog stattfinden. Denn es ist ganz einfach: Nicht stattfindender Dialog ist in letzter Konsequenz Krieg, also muss man, so schwer es fällt eine konstruktive Haltung finden.

Ich wollte Kohl nicht und ich wollte Bush jr. nicht und ich will Merkel nicht und trotzdem habe ich sie hingenommen, denn das was nicht diskutierbar ist, sind nicht politische Werte, sondern Grundwerte, wie die Menschenrechte und das Grundgesetz, die sind aber schon seit dem Patriot Act gefährdet, die gewinnen nicht durch Vorratsdatenspeicherung.
Die Probleme beginnen nicht mit Trump und sie enden in keinem Fall mit ihm. Parolen werden gewählt, wenn die Existenz gefährdet ist.
Die Jahre zwischen 1920 bis 1933 sind ein Lehrbeispiel, was man nicht tun darf, wenn die Welt nicht in die Hände von Demagogen fallen soll: Wirtschaftliche Ungerechtigkeit, fehlende Perspektiven, Bildungsdefizite, das ganze Lehrbuch wirklicher sozialer Marktwirtschaft kommt, als Rezept zur Entfaltung.
Hat nicht Obama die Drohnenkriege legitimiert? Sind in seiner Zeit die Krisen im Nahen Osten besser geworden? Gab es eine globale Friedenspolitik? Waren die Rassenunruhen in den USA besonders gering?

Trump kommt, Trump geht – aber vor ihm, während ihm und nach ihm, verhungern Kinder auf der Welt und Alte verwahrlosen vereinsamt in einem Zimmer. Das wären Themen, aber die stehen nie zur Wahl, weil es dafür keine Lobby gibt.

PGF 11/16

16 Kommentare zu “Demokratie

  1. Das unterschreibe ich vollkommen. Und dennoch muss es auch gestattet sein, sein Unverständnis, von mir aus auch seine Fassungslosigkeit, über das Wahlergebnis zu äußern. Selbst wenn die erste Reaktion „Baba-böse“ ist, bis einem etwas Konstruktiveres einfällt.

    Sobald man das hinter sich hat, sollte man sich dann aber tatsächlich mit dem Dialog beschäftigen!

    • Man darf im ersten Impuls durchaus mehrere Nadeln in eine prophylaktisch vorbereitete Voodoo-Puppe stecken …

      Mir persönlich hat der Überraschungsmoment gefehlt, um geschockt zu sein. Ich sage nur „Der Brexit ist so gut, wie ausgeschlossen.“

      Das Gros der Amerikaner hat auf dem Niveau seines Bildungssystem gewählt, da fängt das Elend an.

  2. WIe schon an anderer Stelle geschrieben, wiederhole ich auch hier: Trump hat sich seinen Sieg erkauft. Anders kann ich es leider nicht sehen. Wo das hinführen wird, bleibt abzuwarten. Die Hoffnunt stirbt zu letzt und wir können ihm nur eine Chance einräumen. Verurteilen dürfen wir genauso wenig wie über das amerikanische Volk zu urteilen.
    Manchmal geschehen Wunder. Vielleicht schaltet sich eine „höhere Macht“ ein…

  3. Auch jemand wie Trump dient nur dazu, denen, die keine Hoffnung mehr haben, ein bißchen Hoffnung vorzugaukeln. Seine Versprechungen kann er nicht erfüllen, wenn er denn selbst daran glauben sollte. Er bereitet damit denen, die noch schlimmer sind, nur den Boden.

  4. Hitler kommt, Hitler geht. Es wird schon Alles gut gehen. Und wir haben immer noch die Appeasement Politik, falls alle Stricke reißen. Demokratie muss wehrhaft sein. Ihre Hoffnung auf den guten Ausgang der Geschichte,immer dann, wenn genuin antidemokratische Kräfte im Spiel sind, ist auf Sand gebaut. Das sollten gerade wir Deutschen wissen. Und wie schnell aus Demokratien Diktaturen werden, dass hat die Geschichte unzähligen Male bewiesen. Es geht nicht um den versöhnlichen Ton in Debatten, wenn auf der anderen Seite die populistischen Rädelsführer jeden Diskurs niederbrüllen. Sorry, lieber Peter, Parolen werden auch gewählt, wenn man den politischen Gegner niederknüppeln will und demagogisch über abweichende Haltungen und Meinungen drüberbügelt. Und vor allem, und das vergisst die momentane Debatte aufgrund eines für mich unverständlich mangelhaften Gedächtnisses: Ein Rassist, ein Demagoge, ein Homophober, ein Sexist hat meine Aufmerksamkeit aufgrund dieser Entgleisungen, und nicht, weil vielleicht das Amt, dass er sich erworben hat, noch jeden misogynen Hanswurst zähmte. Wir werden bald schon sehen, wie sich das sozialpolitische Klima für Frauen, Schwarze, Homosexuelle und wirtschaftlich Schwache ändern wird.

    • Ich will darauf gar nicht so viel erwidern, denn ich sehe das Problem der Bagatellisierung, wie sie in den Jahren vor der Machtergreifung Hitlers stattgefunden hat.

      Allerdings sehe ich die Vorzeichen noch nicht. Zumindest nicht mehr, als wir sie mit Erdogan haben oder Putin oder so vielen anderen. Der Rückfall ins gefährlich Kleingeistige ist überall zu finden.
      Das beginnt aber nicht mit Trump, der ist ein Symptom für das was sich in den Köpfen abspielt.
      Diese Köpfe werden aber nur kritischer und klüger durch eine vernünftige Bildung im weitesten Sinn.
      Da ich in einem vorherigen Beitrag die Wahl Trumps als Chance beschrieben habe, uns von Amerika zu emanzipieren, ist meine Idee der Kommunikation keine der gütlichen Verständigung, sondern eher konstruktive Distanzierung.

      So sehr der Schutz, der von dir beschriebenen Minderheiten wichtig ist, so sehr fehlt mir darin (wie so oft) die Aufzählung von Kindern und Alten, die ein für mich gleichwertiges Schutzbedürfnis haben, da sie nicht im gleichen Umfang wehrfähig sind. Diese Bevölkerungsgruppen sind aber in einer Leistungsgesellschaft, wie der unsrigen ebenfalls Preis gegeben, wie Kinder- und Altersarmut zeigen, Bildungsungerechtigkeit, schlechtere, medizinische Versorgung.

      Für mich ist die Frage zu einfach beantwortet, sie an Trump fest zu machen. Besser finde ich, wenn jeder, an jedem Ort, zu jeder Zeit den Diskurs einfordert, wie wir die Welt zu einem vernünftigen Ort machen, an dem das schützenswert geschützt wird.

      • Dazu nur ein kleines Zitat von Michael Moore in einer Mitteilung auf seiner Facebook Seite. Es geht um eine Liste von Dingen, die nach der Wahl Trumps zu erledigen sind (und, wie er fordert, gefälligts bis Mittag zu erledigen sind :-)) . „Those same bloviators will now tell us we must „heal the divide“ and „come together.“ They will pull more hooey like that out of their ass in the days to come. Turn them off.“
        Das erscheint mir als die wirklich notwendige Reaktion auf das Wahldesaster. Anstatt sich die Wunden zu lecken und ansonsten sich ein Beruhigungsmittel reinzupfeifen, welches den Refrain des „Es ist wie es ist“ trällert, möchte ich meine Hände nicht beschönigend in Unschuld legen, sondern in die Wunden. Auch im Vorgriff dessen, was uns in Deutschland nächstes Jahr anlässlich der Bundestagswahlen erwarten könnte.

      • Ja, tue das (das mit den Fingern und Wunden). Ich glaube nicht, dass ich in der Betrachtung sehr weit weg bin von dem, was du fürchtest. Ich glaube nur es gibt unterschiedliche Wege darauf zu reagieren.
        Es gibt in Deutschland sehr viel verbale Aufgeregtheit (O je O je der Grieche, Erdogan, Putin, Ungar, Pole, etc.) aus der aber nie was wird.
        Man empört sich schimpft und macht weiter, wie zuvor (meine persönliche Horrorvision für das nächste Jahr). Ich versuche in meinem täglichen Handeln Intoleranz zu widerlegen, Kleingeistigkeit zu karikieren, Offenheit zu unterstützen. Ich habe durch meine Arbeit sehr direkt die Möglichkeit alltäglich diese Themen anzugehen.

        Ich habe Freunde in Amerika die genau zu der Personengruppe gehören, die Trump sich als Feindbild ausgedacht hat. Wenn ich mir überlege, was ihnen helfen könnte, frage ich mich nicht was laut ist, sondern was wirksam ist und dabei trällere ich nicht 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s