Gemeinsame oder einsame Erinnerung?

Wisst ihr noch?
Wie wir als Kinder den Vögeln nachgesehen haben,
wir wussten etwas
von der Freiheit unter ihren Flügeln …
Wir teilten ihren Mut,
wir ahnten die Freude,
die im Kreisen, in Sturzflügen,
dem Leben das Glück spiegelt.

Oder wisst ihr noch?
Wie wir als Kinder den Wolken nachgesehen haben,
wie sie da oben trieben,
unerreichbar, voller Majestät,
manchmal unschuldig vor blauem Himmel
und dann düster und grau in eine Winternacht …

Wisst ihr noch?

Das ist des Menschen Seele,
die da schaut und erschaudert.

PGF 10/16

9 Kommentare zu “Gemeinsame oder einsame Erinnerung?

  1. Schöne melancholische Atmosphäre. Erinnert mich an etwas was mich mal gehört habe: Angeblich gibt es im Chinesischen ein Wort für das Gefühl, „wenn man Zugvögeln hinterher schaut“ 🙂
    Schwierig zu erkennen war für mich die letzte Zeile der ersten Strophe – sicher bin ich mir immer noch nicht: „die Freude, die dem Leben das Glück spiegelt“?
    Liebe Grüße!

    • Erstmal: Danke!

      Mit der Zeile habe ich auch gehadert. Vermutlich – warum hat der liebe Gott nur Zeichensetzung erfunden – müsste zwischen „die“ und „im Kreisen“ noch ein Komma, denn „die Freude die (mit X,Y,Z) dem Leben das Glück spiegelt.“ ist gedacht.
      Ich behaupte in diesem Fall nicht, dass ich aus ästhetischen Gründen drei Kommata in einer Zeile nicht vertreten kann 😉

      Und man könnte vielleicht sogar nach „Leben“ mit einem Gedankenstrich, nochmal kurz innehalten: was denn diese Freude dem Leben eigentlich spiegelt?

      Aber da ich beim Schreiben, der sturen Regel folge: Amygdala schlägt Neo-Kortex, überlasse ich dies den Gelehrten und hoffe im Sinn von „die werden es schon verstehen“ auf empathische Leser.

      Wünsche Dir einen schönen Abend!
      PvomSee

      • Danke für die ausführliche Antwort. Verstehe ich gut, diesen Streit von Kopf-Kopf und Amygdala, geht mir oft ähnlich, Scheiß auf die Zweifel und noch mehr Scheiß auf die Grammatik. Nur denke ich dann (der Kortex halt), dass ich es mir vielleicht, aus Trägheit oder mangelndem Talent, doch zu einfach mache …
        Auch Dir einen schönen Abend am See.
        SvonderStadt

      • O! Ich danke für den Austausch.

        Ich bin nicht ganz sicher, wo ich es gelesen habe: (aber eigentlich ist es logisch) man kann nicht die Entwicklung der Geschichte, die Ausgestaltung von Figur und Szene, die Sprachmelodie und die Interpunktion gleichzeitig im Auge behalten. Deshalb müsste man, in der Theorie, so viele Überarbeitungen schaffen, wie nötig, damit jeder einzelne Aspekt abgedeckt ist. Bedeutet fünf Überarbeitungen sind Minimum, eher mehr.
        Fünf sind aber gerade das, was ich schaffe und dabei zieht es meine Konzentration immer wieder auf Handlung/Figur/Szene. Somit bleibt mir als kostenpflichtige Lösung nur das anschließende Korrektorat/Lektorat damit die Profis ausmerzen, was ich nicht kann.
        Ich habe bislang mit zwei Lektor(-inn)en zusammen gearbeitet und durch die Überarbeitung jeweils sehr viel (vor allem über meine individuellen Fehler) gelernt (ich setze Kommas nach Betonung, was notabene falsch ist.) Schachtelsätze, wie diesen habe ich gelernt aufzulösen. Muss auch nicht immer sein: gelobt sei Thomas Mann, mit seinen Satz-Monstern. Fördert die Intelligenz, wenn man nicht nach sieben Worten schon wieder nachlassen kann, weil der Punkt einem rettet …
        Und mit all diesen gesammelten Argumenten drängele ich den Neo-Kortex in die Ecke, verweise auf mein (also Goethes) „wer ewig redlich sich bemüht“ und freue mich, dass ich Menschen, wie Lektoren brauche, die das gut machen, um das ich mich bemühe.
        Zum Thema Talent gibt es in Nietzsches – ist es nicht „Menschliches, Allzumenschliches“? eine schöne Stelle:
        Redet mir nicht von angeborenen Talenten –
        aber da bin ich gerade zu wochenendreif, um zu suchen und zu tippen, vielleicht kennst du es oder Google weiß mehr.

        Man macht es sich nie zu einfach, wenn man zweifelt, ob man es sich zu einfach macht …

        Nochmals einen Gruß vom See
        P

      • Ja, diesen Nietzsche-Satz pinnte ich mir lange an die Wand …
        Was (längere) Prosa angeht, hast Du meine vollständige Zustimmung. Wenn ich eine Lesung mache, streiche ich auch heute noch JEDESMAL einzelne Wörter, ändere Sätze und verbessere den Klang. Ein perfektes Buch gibt es da nit. Aber bei Lyrik – da bin ich dann doch um einiges vorsichtiger. Da könnte ich tatsächlich, wollte ich das, nicht nur fünfmal, sondern 50 Mal drübergehen um den perfekten Klang, den perfektes Sitz des berüchtigten Form&Inhalt-Kleidchen zu finden. Da wiegt halt jedes Komma, da fällt jeder Kompromiss auf.
        Auch ich grüß nochmals aus der Stadt!

  2. Ich mach das die letzte Zeit immer noch oft. In den Himmel schauen (vor allem nachts die Sterne, den Mond ansehen), den Vögeln nachschauen. Besonders den Vögeln.

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