Mit oder ohne uns

Die Welt, sie hat so viel Schönes verloren. Verträumte Auen und Feldwege über die Schmetterlinge tanzen.
Sie war oder sie wäre, ein wundervoller Ort, wenn die Blumen und die Wiesen, wenn die Wälder und die Hänge nur zart unterbrochen wären, von unseren Siedlungen, von unserem Bemühen nach Wissen, nach Erkenntnis und Sinn. Wenn es keine Zuchtbecken ohne Hoffnung, keine Schlote des Schmutzes, keine Hoffnungslosigkeit monumentaler, industrieller Vernichtung gäbe.
Wenn das alles kleiner ausfallen würde und bescheidener und besorgter. Wenn es nicht unserer Unterhaltung dienen würde, nicht unserem Fressen und nicht unserer bedauernswerten Selbstvergewaltigung.
Wenn die Wege zwischen den Siedlungen frei und sicher wären. Wenn die Luft und das Wasser und der Mensch klar und rein wären. Wenn sie nicht so traurig beschmutzt und beschämt wären mit dem Unrat, den sie seit Jahrhunderten aufnehmen müssen.
Wenn es ein Seufzen gäbe, ein so tiefes und vielleicht tränenreiches Seufzen, dass sich alles ändern muss! Nicht Morgen, nein, die Dinge brauchen Zeit – darüber wird immer gelogen, nein, dass es sich ändern muss, mit den Tagen und den Wochen.
Mit jedem Sonnenaufgang könnte jeder einen Schritt nach vorne tun und mit jedem Sonnenuntergang einen Unfug beenden.
Es wäre schön, mit anderen diese Welt auf ihren Wegen zu durchwandern, im Dialog und Austausch des Wissens.
Wie könnten wir um Fragen ringen, wie könnten wir philosophieren und lachen über das Philosophieren, welches uns unterhält…
Vielleicht würden wir im Schatten einer Buche einen Moment verweilen und uns umsehen über die Welt, die so schön und mächtig ist und nie und nimmer von uns bedroht und zerstört werden darf.
Wir hätten manche Sorge, aber keine Angst, wir hätten manche Forderung, aber kein Misstrauen mehr. Denn die Geburtswehen des Geistes wären beendet, in dieser Welt der Erkenntnis in dieser Welt des Flusses, die den Überfluss überwunden hat.
Diese Welt, diese unschuldige, reine, aus sich wachsende Welt, sie wird kommen! In irgendeinem Sinn wird sie kommen. Nur, ob wir darin vorkommen, ob wir ersetzt, erlöst oder ausgelöscht sind, das ist die Frage, um die sich unser Bewusstsein krümmt, wie ein Zweig um einen Schatten – auf der Suche nach Licht.

PGF 07/16

10 Kommentare zu “Mit oder ohne uns

  1. Schön geschrieben, aber mir zu negativ 🙂
    Natürlich machen wir Menschen, als leider allzu beherrschendes Raubtier, viel kaputt. Aber insgesamt habe ich Vertrauen in die gute, alte Mutter Erde. Die verkraftet das. Und wir sind ja nicht nur „industrielle Vernichtung“, sondern Wesen voller Kunst und Kreativität. Wir haben sowas wie Mona Lisa gemacht, wie den Faust, den Ring der Nibelungen oder Battlestar Galactica. Das ist vielleicht nichts gegen einen Schmetterling, aber immerhin besser als Stechmücken …

    • Das ist unser Verhängnis: Wir können beides: „Faust“ und „Konzentrationslager“ und über kurz oder lang werden wir entscheiden oder wird sich entscheiden, was wir besser können, was wir stärker wollen.

      Um im King-„niversum zu bleiben: Wir sind auf dem Weg zum „letzten Gefecht“. 😉

      • Na, ich hoffe, trotz aller King-Begeisterung von mir, dass das letzte Gefecht doch noch ein wenig auf sich warten lassen wird 🙂
        Aber ist schon interessant: In den 90ern dachte ich, dass mit den Grünen und der Esoterik-Welle der „positive Bewusstseins-Sprung“ endlich möglich und fast sogar wahrscheinlich wäre. Leider haben wir uns seitdem zugegebenermaßen eher zurückentwickelt: Richtung Egoismus und Scheißegal …

      • Die Partei der Grünen ist ein Paradebeispiel, wie Macht Werte korrumpiert. Ob die Spanne von ursprünglich ökologisch zu ökonomisch oder von pazifistisch zu militaristisch, jeder Wert wurde einmal verraten.

        Aber, ich bin kein Pessimist. Ich glaube nur, dass wir in einer Epoche großer Gefährdung leben.

  2. *Aber, ich bin kein Pessimist. Ich glaube nur, dass wir in einer Epoche großer Gefährdung leben.* Das glaube ich leider auch, es ist an uns Samen zu streuen, dass die Erde auch für die nächsten sieben Generationen bewohnbar bleibt, mindestens.
    Das Leben lebt sich, mit und ohne uns, aber mich interessiert das Jetzt und es geht mir wie dir, an manchen Tagen wird mir Angst und Bange und das hat nichts mit Pessimismus zu tun!
    herzliche Grüsse
    Ulli

  3. … hier meldet sich die Blumenoptimistin… die Erde wehrt sich mit Tornados, Tsunamis, Dürre und Überschwemmung… und alles war schon Prognostiziert und wird immer noch schön geredet… sehr fein dein Text!

    • Danke Dir sehr 🙂

      (wobei ich jetzt ein bisschen grübele, wo zwischen Tornados und Überschwemmung, der Optimismus steckt 😉 )

      Und ja, alt sind die Warnungen:
      H. v. Dietfurts „So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen“ ist aus dem Jahr 1985 und beschreibt alle schon sehr, sehr treffend …

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