Prismen

Ein Text kann einen Autor glücklich machen, wenn er anderen gefällt.
Ein Text kann allerdings auch dadurch spannend sein, dass er sehr reaktiv wirkt, also viele und sehr unterschiedliche Reaktionen beim Leser hervor ruft.
Ähnlich wie ein PH-Test, der tiefrot oder tiefblau enden kann.

Gefallen ist in diesem Sinn, die falsche Kategorie.
Er kann „nicht gefallen“ und trotzdem gut sein.
Der Autor kann das daran abschätzen, ob die Reaktionen in einem seltsamen Missverhältnis stehen, zu den Gedanken die er im Text hinterlegt hat. (Mit der Unschärfe, dass er sich falsch ausgedrückt hat.)

Wenn viel in den Text hinein gegeben wird, was dort nicht oder ganz anders steht, wenn die Art des Lesens den Lesenden verrät, mehr als den Schreibenden, hat der Text Leben.
Dann wirkt der Text, wie ein Kristall der Spektralfarben wirft.
Das kann wertvoller sein, als zu gefallen.

PGF 06/16

7 Kommentare zu “Prismen

  1. Genau das macht auch die literarische Qualität eines Textes aus, eine Mehrdeutigkeit, die auch über die Erwartungen des Autors hinausgeht, weil sie sich, wie du sagst, eben aus den Erfahrungswelten der Leser speist.

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