Die Sicherheit der Sterne

Zur Zeit fühle ich deutlich: die Last der Tage. Nicht, dass ich zu klagen hätte! Vieles geht gut voran. Ich habe nur viel zu tun, beruflich und bei der Entwicklung der „Rückkehr“. Na, ich habe es mir ausgesucht.
Nur Künstler! Ich weiß nicht? Mich hält es in Balance, am täglichen Leben teilzunehmen. Wenn es mit dem Schreiben nicht gut geht, wenn ich Ablehnung erfahre, dann ist es die tägliche, konkrete Arbeit, die mir zu einem stillen, entspannten „Fuck you!“ verhilft.

Bewertung von Kunst finde ich schwierig. Ich halte unbestimmbar, was gut ist. Es gibt handwerkliche Aspekte, aber die beschreiben nie Herz und Seele eines Werkes, sondern sind mehr Kunsttheoretiker-Paradigmen. Die jemand angestrengt auswendig lernt, um sie angestrengt anzuwenden.

Als ich mich entschied zu veröffentlichen, habe ich auf das Urteil der Betrachter großen Wert gelegt. Ich habe positive Rückmeldung erhofft und ganz konkret viele Sterne bei amazon. Vor ziemlich genau zehn Jahren habe ich „Soanta & Paolo“ veröffentlicht. Neun Jahre ist nicht viel geschehen: wenig Sterne, wenig Zuspruch, wenig Kritik, wenig Beachtung.
Die „Heimkehr“ hat mir zum ersten Mal so etwas wie Erfolg gebracht. Ich schreibe das mit einer gehörigen Portion Angst vor Neid, denn im gleichen Moment, als sie anfing erfolgreich zu sein, im gleichen Moment kamen die abwertenden Kommentare.
Nun, es ist mir nicht zu nehmen: es war schön endlich Leser zu finden.
Was noch schöner war, war die Erfahrung die sich über die Wochen verfestigt hat: Dass Mundpropaganda mehr ist und mehr bewirkt, als Rezensionen und Sterne bei amazon.
Rezensionen bei amazon können möglichen Erfolg im Keim ersticken, aber sie können das Interesse nicht bremsen, dass ein Leser beim anderen, abseits von amazon erweckt.

Ich las kürzlich, dass immer weniger Leser Rezensionen schreiben. Es gibt wohl eine Initiative von Autoren, um das umzukehren. Aber, ich kann diese Leser verstehen. Ich habe viele Bekannte die mir Liebes gesagt haben, aber keine Rezension schreiben wollen. Ich glaube vielen ist es zu müßig, gegen das Gift anderer anzuschreiben. Also schreiben diese Leser keine Rezensionen, sie geben keine Sterne die Sicherheit verleihen, sondern sie lesen und, wenn ihnen das gefällt, erzählen sie anderen davon und so kommt ein Autor zu Lesern.
Das ist still und unmerklich, aber schön.
Vertrauensvolle Stille statt der Sicherheit der Sterne, sozusagen.

PGF 06/16

11 Kommentare zu “Die Sicherheit der Sterne

  1. Ehrlich gesagt, beschränke ich mich inzwischen auch selbst ein bisschen. Denn ich lese kaum noch. Das fängt schon mal damit an, dass ich früher viel gelesen hab, und jetzt, wenn ich abends nachhaus komm, meistens am PC sitz. Manchmal les ich dann später vor dem Abnicken noch ein paar Seiten Kindle. Oke, Sonntags in der Badewanne oder auf dem Balkon bei schönem Wetter. Auch sonst tagsüber das eine oder andere. Aber so richtig Bücher wie früher?

    Und was diese Rezensionen angeht. hm Ich glaub, ich verlier da einfach oft den Überblick zwischen den Handycaps. ^^

    Eija, wünsch Dir was.

  2. Wenn man schreibt und nicht nur therapeutisch für sich, dann ist der Leser/die Leserin schon ein Ziel und die Rückmeldung erhofft und gefürchtet. Aber eben nur die Rückmeldung, die auch Hand und Fuß hat – und was da bei Amazon steht, ist oft einfach so schlecht geschrieben, dass man den Rezensenten einfach die Kompetenz absprechen muss, einen guten Text zu erkennen. Da gilt dann wieder Lichtenberg: Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es klingt hohl, ist das allemal im Buch?

  3. Ich denke, Rezi-Schreiben liegt vielen einfach nicht. Und bei Amazon erst recht.

    Über die Verkaufsförderung durch Rezis gibt es auch unterschiedliche Meinungen. Von einigen hauptberuflichen Autoren weiß ich, dass sie von den Rezis zu ihren Büchern überhaupt nicht auf die Verkaufszahlen schließen können. Weder die Zahl der Rezis noch die durchschnittliche Sterne-Zahl lässt einen Rückschluss zu.

Indem du einen Kommentar verfasst, stimmst du den im Datenschutz beschriebenen Angaben zu. Ich gehe mit deinen Daten sorgfältig um, sie sind aber, im hier öffentlichen Raum frei zugänglich. Um das Risiko für dich gering zu halten, habe ich die Avatar-Ansicht deaktiviert. Von alldem abgesehen: ich freue mich, wenn du kommentierst :)

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.