Müssen

Manchmal gibt es Patienten – meist bei schweren neurologischen Erkrankungen – deren Mobilität so weit eingeschränkt ist, dass sie nicht ausreichend husten können, um Sekret von der Lunge zu transportieren.
Wenn ihnen die Kraft in den Armen fehlt können sie Speichel und Sekret im Mund ebenfalls nicht beseitigen.
Man kann diese Patienten tracheotomieren (sie erhalten eine Kanüle, per Luftröhrenschnitt) und werden abgesaugt, damit sie nicht ersticken.
Alternativ lagert man sie im leichten Kopfüberhang auf den Bauch, so dass Speichel und Sekret mit der Schwerkraft abtransportiert werden. Anschließend saugt man die Patienten ab und lagert sie, was bei den meist einschießenden Krämpfen schwierig ist.

Das Leben und Leiden dieser Menschen, ist ein starker Kontrast zu der häufig anzutreffenden Unwilligkeit mit der Menschen ihren Alltag betreiben. Mit all dem Müssen, welches sie beklagen, der Trägheit mit der sie das Leben verwalten, dem Phlegma im Berufsleben und in der Freizeit.
Jeder der einen Löffel zum Mund und auf eigenen Füßen zur Toilette gehen kann, sollte dafür dankbar sein.
Dass wir arbeiten können oder in irgendeiner Form tätig sein, ist ein Geschenk!
Das Warten auf die Rente, auf den Lottogewinn, das Jammern über die Arbeit, über Pflichten, über Mitarbeit, über das ganze Müssen – das Leben kann uns sehr schwere Wege führen.

Tatsächlich müssen wir wenig und wir dürfen sehr viel.
Sehr vieles von dem was wir müssen, müssen wir nur, weil wir etwas wollen und das wir wollen können: was für ein Geschenk!

PGF

7 Kommentare zu “Müssen

  1. Klar, du hat natürlich Recht. Aber eigentlich sind es ja zwei Extreme, die uns bestimmen, nämlich das Leid derer, die nicht mehr können, was wir für selbstverständlich halten, aber eben auch das Glück oder zumindest das zufriedene Leben, das wir uns wünschen können, denn zum Glück sind wir ja fantasiebegabte Wesen.

    • Vielleicht soll der Beitrag auch helfen zu sehen, dass Glück und Zufriedenheit viel schneller und einfacher zu erreichen sind, als wir es oft begreifen.

      Ich bin mit dem Gang zur Toilette auch nicht immer allein glücklich. Aber, wenn die Ansprüche zu groß werden, erinnere ich mich, was ich mitunter sehe …

      • Genau, der Kontrast zwischen unseren alltäglichen Wehwehchen und Sorgen und dem, was du im Beruf erlebst, was man im eigenen Umfeld erlebt, wenn man persönlich mit Leid konfrontiert wird, ist natürlich krass und es ist völlig richtig, immer wieder deutlich zu machen, was für ein Geschenk Gesundheit ist und uns damit auch wieder zu erden.

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