Kündigung

Mein Marketing-Manager will kündigen.
Ich gebe zu: er hat den undankbarsten Job. Er muss sich mit Misserfolg, mit Erfolg und mit nachlassendem Erfolg beschäftigen. Er muss sich Meinungen anhören und seien sie noch so unpassend. Er muss dazu lächeln und versuchen was Gutes daraus zu machen.

Von allen Jobs, die man als Selfpublisher übernimmt, ist der Marketing-Job der lästigste. Cover-Arbeit kann Spaß machen (auch, wenn man es besser bei den Profis lässt …), den Text setzen kann eine nette Ablenkung sein. Dem Lektorat arbeitet man in jedem Fall nur nach (und versucht nicht darauf zu verzichten). Schreiben und Probelesen: geschenkt! Aber Vermarkten, sich auseinandersetzen mit Meinungen – nur stinkende Füße waschen ist schlimmer – ne nicht mal das.

Wenn man schreibt, ganz glücklich was entsteht, eingelullt im Glauben an Wohlwollen und Nachsicht, gibt es nichts schöneres, als Phantasiewelten stricken, wie warme Kuschelpullover. Aber, wenn man sich Gemäkele über die Farbe oder „der kratzt ja“ anhören muss, wird man skeptisch, was man sich antut.

So wird die Stelle des Marketing-Managers wohl unbesetzt bleiben. So wichtig sie ist.
Man kann nicht alles machen und muss auf sich achten, was einem gut tut, wie man den Kopf frei behält.
Na! Vielleicht rede ich noch mal mit ihm.
Soll sich nicht alles so zu Herzen nehmen…

12 Kommentare zu “Kündigung

  1. Der Druck auf einen Marketing-Manager kann immens sein. Manchmal reicht auch eine Pause. Aber an nachlassendem Interesse sollte man sich nicht aufreiben. Irgendwann ist der Markt gesättigt und gut. Dann sollte was Neues nachkommen. Oder man verbucht das Ganze als schöne Erfahrung.
    Auf jeden Fall sollte man die Ruhe bewahren. Produktzyklen verlaufen eben so, dass gegen Ende der Niedergang kommt.

    • Zu dieser Schlussfolgerung versuche ich mich gerade zu überzeugen. Gut, sie zu lesen und bestätigt zu bekommen.

      Vielleicht hat man als Schriftsteller einfach den bescheidenen Wunsch, dass das eigene Buch immer und von allen gelesen wird … 😉

      • Klar, den Wunsch kenn ich nur zu gut! Und Realismus tut in der Hinsicht richtig, richtig weh. Aber wenn man hätte Waschmaschinen verkaufen wollen, dann …
        Es gibt übrigens tatsächlich Titel, die bei einer Neuerscheinung von den Totgeglaubten „auferstehen“. Also einfach weiterschreiben und schauen, was passiert, auch wenn es gerade mal eine Durststrecke gibt. Dazu sollte ich echt mal was bloggen …

  2. Der Schreiber als Universalgenie des Fiktionalen scheitert ja oft an der Banalität der gnadenlos realen Marktgegebenheiten. Speziell ohne ambitionierten Verlag im Rücken wird’s oft eng. Insofern: Scheiß‘ auf den Marketingquatsch, weg mit dem Marketingfuzzi und einfach weiterschreiben!

  3. Endlich Autor und dann das: Durststrecken |

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