Arbeit

Arbeit ist ein Privileg. Arbeit ist ein Ausdruck von Kraft, von Gesundheit, von Kompetenz. Arbeit ist Beitrag zur Gesellschaft und ein Beitrag zur Identitätsbildung. So weit zum Positiven.
Arbeit wird zunehmend zur Ausbeutung, zur Automatisierung, zum Verlust von Ansehen, erzeugt Krankheit und psychische Probleme.

Woher kommt die große Diskrepanz zwischen dem was Arbeit ursprünglich ist und sein könnte, zu dem was sie zunehmend wird?
Es gibt eine politische und eine individuelle Komponente.
Politisch ist es die Bankrotterklärung politischer Verantwortung für die arbeitende Bevölkerung durch Lockerung von Arbeiterrechten, Privatisierung, Leistungsoptimierung und Globalisierung.
Individuell ist eine Bankrotterklärung von kreativer Verwirklichung, Mut zum Widerstand, Lernbereitschaft, Selbsterkenntnis.

Politik hat nicht Märkte zu lenken, sie soll das Machtverhältnis zwischen Unternehmertum und Arbeitsleistung herstellen, sie soll öffentliche Aufgaben in öffentlicher Hand halten, da der Staat ansonsten überflüssig wird, sie soll die Familie als Kern gesunder gesellschaftlicher Strukturen schützen und nicht zu Gunsten des Arbeitslebens ausliefern, sie soll eigene Märkte schützen, wenn sie von den Spielregeln internationaler Märkte korrumpiert sind.

Individuell hat jeder Verantwortung und Aufgabe, sich bestehender, schädlicher Strukturen aktiv zu widersetzen und nicht in einem Zustand von innerer Kündigung und Selbstverweigerung vor sich hin zu vegetieren. Wenn keiner eine Arbeit annimmt, muss die Art dieser Arbeit sich ändern. Wer an seinem Wissen und an seiner Qualifizierung arbeitet, hat dazu die besten Voraussetzungen. Wer sich fragt wer er sein möchte und darauf hin arbeitet, der weiß auch, welche Wissensinhalte ihm dienen und wo er sie einsetzen und umsetzen kann.

Die Basis dazu beginnt bei unseren Kindern, bei ihrer Förderung und unserem Bildungssystem, bei einem humanistischen Menschenbild und der Kraft für seine Verwirklichung einzutreten.

PGF 01/05/16

13 Kommentare zu “Arbeit

  1. Das gegenwärtige Hartz-4-Regime verhindert aber, dass Menschen sich bilden, um ihre Chancen zu verbessern, um aus der Abhängigkeit heraus zu kommen und von ihrer eigenen Arbeit leben zu können. Die Annahme jeder Arbeit ist wichtiger, als die Möglichkeit sich zu qualifizieren. Es wird kaum noch in langfristige Bildung investiert – das Resultat ist Zeitarbeit, Minijobs, Arbeit, die keine Bedeutung für die Menschen hat, die sie leisten. Was auch immer Arbeit sein kann, sie muss zunächst auskömmlich sein.

    • Eigentlich geht es noch weiter, hin zu einer Famlien- Bildungs- und Sozialpolitik die ein „Enden“ in Hartz-4 verhindert.

      Allerdings sehe ich die Bereitschaft ein Wochenende und Geld in die eigene Fortbildung zu investieren, eher wenig verbreitet.
      Volkshochschulen bieten viele Möglichkeiten, die bezahlbar sind und nur genutzt werden müssen.

  2. Hm, ob Arbeit früher schöner und einfacher war, bezweifle ich. Ich kann mich noch an eine 6-Tage-Woche erinnern. Mein Großvater erzählte von einer 7-Tage-Woche und einem 10-Stunden-Tag.

    • „Früher“ war ungeschickt formuliert, es ist ein eher abstraktes Verständnis von Arbeit, an dem ich mich versucht habe.

      Selbstbestimmtes Arbeiten ohne Sozialstaat ist schwer und anstrengend. Dazu bietet der Sozialstaat eine gute Alternative, die aber viel zu wenig genutzt wird.

      Die 7-Tage-Woche in abhängiger Arbeit ist gewiss kein Ziel. Aber die 7-Tage-Woche in selbstbestimmter Arbeit kann attraktiver sein, als eine 5-Tage-Woche um dann 2 Tage mit Bier und Fernsehen zu vergeuden. Als Extrembeispiel.

      Ich glaube das Arbeit in der Art, wie sie belastet, sehr stark von Selbstbestimmung, Kreativität oder Gesundheit abhängt.
      Man kann sehr viel arbeiten, wenn man die Arbeit einteilen kann, wenn man etwas dabei gestalten kann und Pausen einlegen, wie man sie zur Erholung benötigt.
      Dies wäre für mich ein wirklicher Fortschritt in der Berufswelt.

      • Es bleibt am Ende die Frage: Wer sorgt dafür, dass wir es wieder können? Der Staat? Wir? Der Staat wie wir ihn wollen? Noch für uns? Oder zumindest für die die nach uns kommen?
        Der Status Quo ist erdrückend.

      • Ich störe mich am Wörtchen wieder. Ich denke, den Luxus konnten sich in der gesamten Menscheitsgeschichte immer nur wenige Mächtige bzw. Reiche leisten.

  3. Das Perfide (und Paradoxe) an vielen modernen Arbeitswelten (und sogar Freizeitwelten) ist meiner Meinung nach auch, dass die Selbstausbeutung unter dem Deckmantel solcher Schlagwörter wie „kreative Verwirklichung“, „lebenslanges Lernen“ etc. stattfindet. Mir wird gar nicht erst bewusst, in welchem neoliberalen Hamsterrad ich mich befinde, denn ich mache das x-te schlecht bezahlte Praktikum schließlich „aus Überzeugung für die Sache“, aus freiem Willen, ich kasteie mich freiwillig, um das beste aus mir herauszuholen, um alles vom Leben mitzunehmen, was geht…

    • Das ist, wie ich finde ein heikler Punkt: Ist das neoliberal oder war das Leben nicht schon immer so? Gab es einen paradiesischen Zustand oder war das Leben nicht immer Mühsal? Ist das nicht der Grund weshalb wir nach Fortschritt und Technisierung streben?

      Ich glaube die Frage dreht sich dabei um das selbst- oder fremdbestimmt. Nietzsche schrieb einmal (sinngemäß): Du musst, weil du willst.
      Da liegt die Herausforderung: Nur noch das zu müssen, was man wirklich will. Mit etwas Glück wird dann das Hamsterrad zum Karussell 😉

      • Es gab bestimmt keinen paradiesischen Zustand, nein. Was ich mit „neoliberal“ meine, ist vielleicht am ehesten eine Form der Umdeutung oder des gesellschaftlich akzeptierten Selbstbetrugs–der Einzelne glaubt, er wolle, wo er doch in Wahrheit muss. Fällt mir ganz schön schwer, in Worte zu fassen, wie ich meinen Kommentar genau mein(t)e 😉

  4. Nochmal zum selben Thema: Man kann sich schließlich auch einreden (lassen), etwas Bestimmtes zu wollen. Dann ist das eigene Wollen vielleicht fremdbestimmter, als man zunächst glaubt. Und ich denke, dass der „Neoliberalismus“ eben auch bestimmte „Wollensmuster“ hervorbringt und hervorgebracht hat.

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