Betrachtung #2

Was spricht eigentlich gegen die Spaß-Gesellschaft?
Ich mache, wenn ich ehrlich bin, die meisten Dinge die ich tue aus Spaß und solange sie mir Spaß machen. Wenn sie das nicht mehr tun, gebe ich sie auf oder verändere sie.
Ist Spaß zu haben falsch?
In Preußen, wie im Dritten Reich war der Spaß abgeschafft, da regierte die Pflicht. Wohin gnadenlose, Spaß befreite Pflichterfüllung führen kann hat sich gezeigt: Krieg und Unmenschlichkeit.

Der Spaß, die Freude an etwas sind so schlechte Ratgeber nicht. Richtig gelebt und, wie Epikur es bereits gelehrt hat, kann das Spaß-Prinzip durchaus zu Disziplin führen.
Mir macht es Spaß mich mit Anatomie zu beschäftigen und mehr über den Aufbau und die Strukturen des menschlichen Körpers zu lernen. Wenn ich dazu keine Lust habe, beschäftige ich mich mit etwas anderem. Aber ich habe Spaß am Lernen.
Ist es nicht der größte Vorwurf, den man unserem Bildungssystem machen muss, dass es in den meisten Fällen den Spaß am Wissen und am Lernen verdirbt? Wer nicht lernen, nicht wissen will, wie soll der vernünftige Berufe ergreifen? Wie soll der kreativ und mit Spaß seinen Beruf ausüben?

Ist nicht eher die Gier-Gesellschaft das Problem? Die Gesellschaft die etwas für Spaß hält, was ihrer Ablenkung und Verblödung dient? Macht es wirklich Spaß jeden Abend vier Stunden Schwachsinn im Fernsehen anzusehen, alle fünf Minuten aufs Handy zu glotzen und über sieben Social-Media Networks mit fiktiven Bekanntschaften gefüttert zu werden?
Das macht keinen Spaß, es lenkt ab.

Die Ablenkungs-Gesellschaft ist das Problem. Die nicht mehr bei sich ist. Die erfüllt, solange der Napf gefüllt und Elektrizität die Unterhaltung sichert.
Wie im alten Rom, wie immer: Niedergangskulturen, müde, fette Kulturen.
Vitale Kulturen haben Spaß zu entdecken, zu erfinden, zu verbessern, anderen in der Not zu helfen, weil all das glücklich macht.

11 Kommentare zu “Betrachtung #2

  1. Ich denke ebenso und nehme doch lieber das Wörtchen Freude/ der Spass hat zuweilen auch etwas clowneskes und gefällt mir dabei oft nicht/ wohl nur eine kleine subjektive wortverdrehung/ auf zur Freude mit dem Spass

  2. … es kommt halt auch ein wenig auf die definition an.
    und so, wie du ihn hier verstehst, kann ich dir nur zustimmen.
    was und wo wären wir ohne – ich sage auch mal – freude! im grunde ist das doch die lebensmotivation, der motor. 🙂
    sonnige sonntagsgrüße, und es macht mir immer spaß hier bei dir zu lesen! 🙂
    d.

  3. Das Lesen hat auf jedenfall Spaß gemacht und zum Nachdenken angeregt….die grauen Zellen sind mächtig am Arbeiten 😛

    Für mich bedeutet Spaßgesellschaft, dass Spaß immer mit Oberflächlichkeit und Ignoranz einhergeht, so nach dem Motto „was interessiert mich der verletzte Kerl dort, ich will einfach Spaß haben“

    Ansonsten finde ich geradezu wichtig und erforderlich, Spaß zu haben bei dem, was man tut.

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