Wahlen

In einer Demokratie dürfen alle wählen. Das ist das Leidwesen der Demokratie: alle.
Es ist demokratischer Pathos zu akzeptieren wer gewählt wurde.
Ich musste 16 Jahre Kohl ertragen, ich ertrage gefühlte 100 Jahre Angie. Ich glaube, dass die Politik der beiden Deutschland viel tiefgreifender sozial und kulturell geschadet hat, als die meisten das nur annähernd ahnen, aber gut. Sie wurden von einer Mehrheit gewählt.
Schritt 1 der Denksportübung.

Jetzt wurde wieder gewählt. Der Shift geht nach rechts. Großes Drama, wie vor einem halben Jahrzehnt, als er nach links ging. Es hat seit der Kaiserzeit Tradition, dass in Deutschland große Unruhe herrscht, wenn sich die Mitte nicht durchsetzt. Linksradikal, rechtsradikal, steht leider viel zu schnell, als Parole auf den Tüchern. Es zählen aber Argumente und nicht die Verunglimpfung einer Position.
Das ist dieses Mal furchtbar schief gegangen. Es war dieses „Mach das da weg! Das ist eklig!“ das den Sieg der Kurzsichtigen und Kleingeistigen möglich gemacht hat. Gegen Dummheit hilft Antipathie nicht. Es wären Argumente gefordert gewesen. Stattdessen haben sich alle hinter Mutti, einer Ideologie und „Wir schaffen das“ verschanzt.
Die Argumente für:
Wir wollen das! So schaffen wir das! Deshalb habt ihr Unrecht! Wären hilfreicher gewesen.
Schritt 2 der Denksportübung.

Jetzt stehen wir vor dem Problem: Nicht nur das Ost anders denkt und tickt als West, selbst Nachbarbundesländer wie BW und RhP wählen konträr. Nicht etwas konträr, sondern absolut. Der soziale, kulturelle und ökonomische Kontext driftet auseinander. Deutschland beginnt zu zerfallen und der mediale Gleichschritt kann das immer schlechter kaschieren. Es werden Werte nötig. Realistische, tragbare Werte im ökologischen, sozialen und humanitären Sinn, um diese wachsende Spaltung zu verhindern.
Schritt 3 der Denksportübung.

So sind Wahlen, so ist das Ergebnis von Wahlen. Und das ist auch das Ergebnis von Aufrufen: Geht alle Wählen! Dann gehen eben auch die wählen, von denen man sich wünschen würde das sie es nicht tun.
Vielleicht ist es besser, dass wir keine Volksabstimmungen haben. Wäre vielleicht schwer zu ertragen, was unser Volk tatsächlich will …

Spannend wird, ob die Demokraten es schaffen im Disput und im Konsens die sehr unterschiedlichen Lager zu versöhnen. Ob es ihnen gelingt Konsens zu schaffen und ein kluges Win-Win.
Ungeliebte Meinungen weg haben wollen funktioniert nicht. Außer man will die Demokratie weg haben.
Manchmal – ach lassen wir das.

7 Kommentare zu “Wahlen

      • ja, das ist wahr… gut, dass du es veröffentlicht hast! ich finde, es sind fundierte, gute gedanken… zu einer situation, die seltsam ist und schwierig. liebe abendgrüße dir!

  1. Danke für den Text. Beim ersten Satz musste ich echt laut lachen. Leider wahr. Für mich ist der jetzige Zustand der Parteien keine Demokratie mehr. Merkel hat die Diversifikation der Parteien endgültig zerstört. Die CDU hat ihre linken Konkurrenten links überholt. Merkel hat dadurch Macht, aber auf Kosten der Möglichkeit der Wahl innerhalb der Parteien-Demokratie. Die AFD sehe ich als reine Protestpartei. Zum Glück wechseln Protestwähler die Partei bei der nächsten Wahl.
    „Geht alle wählen“, das geht nach hinten los. Irgendwie doch heuchlerischer Demokratieschein. Diejenigen, die regelmäßig nicht wählen, kommen aus den einkommensschwachen Milieus und wählen eher links- oder rechtsaußen. Also haben die Etablierten kein Interesse an hoher Wahlbeteiligung oder gar Wahlpflicht wie bspw in Australien, und was ist das dann bitte für eine Demokratie? Jedenfalls keine lebendige.

    • Danke Dir!
      Es ist ein abendfüllendes Thema: von der Nivellierung der politischen Landschaft, über das Wohl und Weh direkter Demokratie, bis hin zu meiner Dauerfrage: Wer wählt eigentlich Mutti?

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