Die Menschen der Stadt

Die Fortbildung ist fast vorüber. Über die Inhalte lässt sich nicht so viel berichten, wie ich es mir gewünscht hätte. Der Kurs ist sehr anatomielastig. Ich glaube ein Beitrag über die Foramina des Os Sphenoidale und Os Occipitale ober über die Suturen die unsere Schädelknochen verbinden, würden Euch nicht sehr fesseln…
Ich muss geduldig sein, bis zum zweiten Kursteil, wenn die Anwendung einen größeren Raum einnimmt.

Über die Stadt und ihre Menschen habe ich mir noch einige Gedanken gemacht. Ich werde mit der Stadt nicht glücklich werden. Aber ich habe versucht zu verstehen, was Menschen in die Stadt zieht.
Hier leben viele Studenten und ich glaube, das Leben in einem Studentenwohnheim gibt ein Gefühl geborgener Freiheit. Man hat ein erstes eigenes Zimmer, aber nette Leute um sich, wenn mal was fehlt. Neben an, wohnt die nette Chemie-Studentin in die man sich verlieben könnte und rechts oben, im umgekehrten Fall, der nette indische Student der Physik.
Die Menschen der Stadt, sie scheinen es zu lieben, sich in ihre anonymen Wohnblocks zurück zu ziehen und hinter einer tristen Fassade eine schöne Drei-Zimmer-Wohnung zu pflegen, mit Gummi-Baum und 42-Zoll-Flatscreen.
Die Alten haben es nicht weit zum nächsten Discounter und Frau Doktor nicht weit zur nächsten Kulturveranstaltung.
Man macht es sich heimisch unter seinesgleichen und genießt, es sei nicht abwertend, Herdenwärme.

Ich habe den kulinarischen Weg genutzt, mir die Tage angenehm zu machen: gestern Mittag Sushi, gestern Abend Afghanische Küche, heute Mittag einen arabischen Schnellimbiss und heute Abend nochmal zum Afghanen, weil es so lecker war. Ja, ich weiß: gnadenlos multi-kulti.
Ich finde wir nehmen trotzdem zu viele Flüchtlinge auf – ich kann an einem Tag auch nur zwanzig Patienten behandeln und keine hundert. Aber komplexe Wahrheit ist beschwerlich.
Ja, die Müdigkeit macht mich zynisch.
Zum Afghanen geht es hier: https://www.facebook.com/Magellan-Restaurant-Caf%C3%A9-Lounge-499504693549090/

Wahrscheinlich ist es die Stadt: Häuser, Häuser, Häuser, Straßen und Straßen, einsame Bäume umzäunt und mit Hundekot garniert.
Dass wir nicht die Welt wie ein Ausschlag besiedeln, das wäre schon was. Dann stünde uns die ganze Welt offen und ich könnte in Kabul badisches Schäufele mit Sauerkraut essen oder in Japan meine Fortbildung fortsetzen, weil Reisen und sich Durchmischen das Ziel aller wäre, weil die Welt und die Natur schützen und erhalten das Gebot aller wäre. Weil Städte nicht nötig wären, wenn Länder keine Grenzen mehr kennen, um die sie kämpfen.
Aber so fliehen wir: in die Stadt oder aufs Land, ins Nachtleben oder in den Wald, in den Glauben und nicht in die Erkenntnis.
Die Menschen der Stadt, für mich sind es die unbewusst Sehnsüchtigen.

5 Kommentare zu “Die Menschen der Stadt

  1. Die Stadt bietet Ruhe, Allein sein und Menschen zugleich….ich fuehle mich auf dem Land eingesperrt von den Augen und Ohren der Nachbarn;-)

  2. Zur Zeit lebe ich im Wald. Die Stadt mit ihrer Natur-Ferne wurde mir unerträglich. Und doch werde ich eines Tages in die Stadt zurückkehren. Sie bietet eine Sicherheit, die ich im Wald nicht habe.

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