Tagesschau

Für die Psycho-Hygiene sind ein paar Blog-freie-Tage wirklich hilfreich. Spätestens, wenn man zum 11x in 20 min. prüft , ob es neue Beiträge, Likes oder Kommentare gibt (obwohl man ja Pause macht), stellt sich die Erkenntnis ein:
Okay, ich scheine konditioniert.

Diese milde Erkenntnis verwandelt sich in die freudige Feststellung, dass ein Tag komfortabel viele Stunden hat.
Spaziergänge werden möglich. Gespräche dürfen Open End sein. Der Balkon freut sich über Zuwendung, ebenso der Stubentiger.
Das geht ein paar Tage gut, aber dann geschieht was immer geschieht, wenn aus Zeitmangel ein Zeitüberschuss wird: die Zeitverschwendung beginnt.
Die Tastatur ruht, dafür wird die Fernbedienung aktiv.

Plötzlich sitzt man, wie alle in den 80ern, um 20.00 vorm Bildschirm und wartet auf den Gong der Tagesschau.
Ich glaube ich habe sie Jahre nicht mehr gesehen.
Aber es wirkt, als sei ich nie weg gewesen.
Mit der Tagesschau medialisiert sich der Wunsch ganzer Generationen, dass die Dinge so bleiben, wie sie sind.
In der gleichen Betonung vermitteln austauschbare Gesichter die immer gleich Form von Nachrichten. Es ist ein Pakt, den Nachrichtensprecher und Zuschauer pflegen. Die einen reden wie immer, die anderen hören zu wie immer. Man ist sich einig über die immer gleichen Freunde, die immer gleichen Feinde. Das „daadaadadadadaa“ der Titelmelodie erinnert schmerzhaft an Pawlows Glocke, nur das keine Verdauungssäfte fließen. Es ist eher Blut, welches Welt weit und in Strömen fließt.
Ich frage mich, wer sich durch diese Nachrichten informiert fühlt. Und ich frage mich, ob die Menschen immer so bleiben werden, dass sie krampfhaft daran festhalten, dass „alles bleibt“: die Feinde, Freunde und Nachrichtensprecher.
Ob sie irgendwann bereit sein werden sich dem Wandel zu stellen und sich der Ungewissheit, der Unsicherheit ausliefern – um sich wiederzufinden, im leeren Raum zwischen kreisenden Planeten.

Es ist eine fragile Sicherheit, eine kindliche in der immer gleich ist: der Geschmack von Miraculi, die Nachrichten, das perforierte Toilettenpapier.

Ich schalte weiter. Mir macht die Nachrichtensprecherin Angst. Plötzlich halte ich menschliche Klone für möglich.

Jede Gewohnheit die man nicht gelegentlich unterbricht ist bedenklich.
Auch das Bloggen.
Hier sorgen zumindest die wordpress-Updates dafür, dass man sich bereits nach einer kurzen Pause nicht mehr auskennt 😉
Beruhigender Wandel …

19 Kommentare zu “Tagesschau

  1. Vor ein paar Tagen erzählte jemand von der App Forest, mit der sich virtuelle Bäume pflanzen lassen, die nur wachsen, wenn das Handy eine vorher festgelegte Zeitlang nicht benutzt wird, z.B. eine Stunde. Kann hilfreich sein und dann es gibt einen Wald und viele andere tolle Sachen, die sich erleben lassen in der handyfreien Zeit!

  2. Peter:

    Ich rate dringend von G**gle ab, denn G**gle strebt nach der Weltherrschaft. Um dieses Ziel zu erreichen, nutzt G**gle z.B. die chinesische Regierung aus: Es sichert sich das Wohlgefallen der chinesischen Regierung, indem die chinesische Variante Suchworte wie Demokratie, Menschenrechte oder Freiheit nicht findet. G**gle führt eine Gehirnwäsche bei allen Usen durch, so dass alle nach der Pfeife von G**gle tanzen, und schon hat Gooogle die Weltherrschaft erreicht.

    Willst Du das ?

    Dann klicke auf „Antwort“.

    MfG, DuckDuckGo

    • Ein diffiziles Problem, bei dem ich einige Beteiligte sehe z.B. Gesichterbuch, WhatsApp heute mit der ersten Million User (oder Siri und Cortana die schon mal fleißig Sprachprofile sammeln) und bei dessen letzter Konsequenz nur der Austritt aus dem Netz bleibt.

      Im Regal hinter mir wächst ein papiernes Offline-Google zur Recherche.

      Wenn du gute Alternativen zu Suchmaschinen und Videoportalen kennst bin ich froh. Die, die ich bis jetzt versucht habe waren schlechter in der Nutzung und nicht weniger Daten hungrig.

      So bleibe ich vorerst bei der Maxime: so maßvoll, wie möglich, so wenig wie nötig.

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