Wir determinieren uns selbst

Im Led Zeppelin Klassiker „Stairway to heaven“ gibt es die vielsagende Stelle:
„but there´s still time to change the road your on“.
Lange habe ich über diesen Satz gegrübelt. Ich war von klein auf der Überzeugung , dass uns die Umwelt „macht“.

Aber ob Umwelt oder Anlage: können wir in einem der beiden Fälle wirklich unseren Weg ändern? Führen uns, wie die Deterministen finden nicht unsere Anlagen oder unsere Erfahrungen zu einer bestimmten Bahn?

Neurologisch betrachtet ist es diffiziler.
Die neuronale Plastizität des Kindes ist unfassbar. Es gibt kaum feste Verbindungen, feste neuronale Netzwerke, sondern die Stimulation der Synapsen und Transmitter bringt mehr und mehr zum Tragen, was eine Person ausmachen wird.
Deshalb ist das Kind so lernfähig: wäre die Umwelt neutral könnte es alles lernen. Jedes Kind könnte an jedem anderen Ort die dort gesprochene Sprache ohne Probleme lernen. Das determiniert Sein zu einer Sprache kommt später und vertieft sich mit den Jahren.

Mit dem Thema „Sprache“ kann Sprache in einem spezifischen Gehirn eine große Bedeutung finden, so dass sich eine Vielsprachigkeit entwickelt die vielleicht angelegt, vielleicht unter günstigen Bedingungen wächst.

So lebt und erlebt der Mensch. Macht seine Erfahrungen, entwickelt seine Fähigkeiten und, wenn er die grundlegenden Fähigkeiten besitzt und ihm finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, kann er (theoretisch) noch vieles werden oder erlernen.

Aber er trifft Entscheidungen: Mit 16, 17, 20, 25, 35, 50 und jede Entscheidung wird die Wege verengen die er noch gehen kann.
Sportarten scheiden aus.
Karriere-Wege werden unmöglich.
Eine bestimmte Partnerwahl wird illusorisch.
Wir kommen in einem Alter an, da hat sich unser Leben bestimmt.

Das hat nicht nur Nachteile. Unsere Stärke wird, dass sich unsere Bahnen verfestigt haben, unsere Fähigkeiten stabil geworden sind. Irreversibel vielleicht, aber auch nicht so flüchtig und willkürlich, wie in der Jugend.
Wir sind zu einer Person, zu einem Charakter geworden.
Vielleicht auch nur zu einem gewohnheitsmäßigen Säufer…

„There´s no more time to change the road your on“ könnte man sagen.

„Werde wie du“, hatte Hesse einst geschrieben.
Vielleicht das einzig erreichbare Ziel.

Ich mache das Wochenende Pause.
Ich danke Euch für die Unterstützung der letzten Wochen, für Likes, Kommentare, Austausch und Eure Beiträge.
Determiniert Euch nicht zu sehr
😉

6 Kommentare zu “Wir determinieren uns selbst

  1. ja, werde (wie) du, sehr schön. letztlich sind für einen die wege gut, die zu sich selbst führen. um dort zu ruhen und von dort aus nach außen zu handeln. aus ruhe und harmonie.
    und in gewissem rahmen kann man schon die richtung ändern, das ist vielleicht sogar dann und wann nötig, um sich nicht aus den augen zu verlieren.
    hab ein wunderfeines wochenende, lieber peter, bis bald!
    liebe grüße
    von diana

  2. «But there´s still time to change the road your on».

    Das ist wohl wahr und auch mein Mr. «right» Dylan hat das wunderbar besungen.

    Eine besinnliche Wochenendpause wünsche ich Dir! Deine Email beantworte ich am Wochende, das für mich keine Pause sein wird.

  3. Da fällt mir T.S. Elliot ein, The Four Quartets

    We shall not cease from exploration
    And the end of all our exploring
    Will be to arrive where we started
    And know the place for the first time

    Hope so 🙂

  4. Vor einigen Jahren lernte ich, dass der Mensch schon im zarten Alter von 8 Jahren die Weichen stellt, für das, was er/sie wird. Ich schüttelte natürlich den Kopf und dann kamen die Beweise … unglaublich, bis heute!

    Hab ein wunderbar erholsames Wochenende und danke für alle deine klugen Gedanken und Artikel, die ich sehr schätze!

    Herzliche Grüsse
    Ulli

  5. Ein Award für die Dichter & Denker. | Text, Books, Rock'n'Roll.

  6. zu dem Thema fällt mir „der große Gatsby“ ein, ein Habitus lässt sich nicht kaufen oder genügend anlernen. Die Determinante bleibt und trennt die Schichten von Gesellschaft. Ob bewusst oder unbewusst.

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