Die Barriere

Ich glaube es ist unvermeidlich, dass der Autor zu Beginn seines Buches Barrieren aufstellt, um die Leser zu selektieren die weiterlesen sollen.
Beispielsweise Geduld zu fordern, wie Thomas Mann es meisterhaft versteht. Wer seine Leckerbissen will, muss sich auf seine dichte Beschreibung einlassen.

Diese Hindernisse sind nicht gegen den Leser aufgestellt. Sie verhindern seine Enttäuschung.
Der Stil sollte von der ersten Seite erkennbar sein.
Das sind keine Gedanken für verkaufsorientiertes Schreiben. Bei dem Täuschung, hemmungsloser Gebrauch von Kunstgriffen, Manipulation von Lesererwartung im Mittelpunkt stehen. (Wer es lieblicher haben will: bei dem doppelte Böden, geschickter Gebrauch von Stilmitteln, Befriedigung von Leserwünschen, usw. …)

Man sollte beides nicht mischen.

In erster Linie geht es darum, vor sich selbst zu bestehen.
Wenn man entscheidet Schund zu schreiben, weil der sich verkauft, ist Misserfolg zu verkraften.
Schreibt man mit Anspruch sollte man sich darauf einstellen, dass der Leser vielleicht keine Lust hat, in Anspruch genommen zu werden.

Die ersten Seiten sind ein Abtasten.
Was denkst du? Schwebt zwischen den Zeilen und den Augen.
Manchmal ist es Liebe auf den ersten Blick oder ernsthafte Neugier.
Aber nicht selten ein schroffes Abwenden und Weitergehen.
Und das ist dann auch besser so.

PGF 12/15

Ein Kommentar zu “Die Barriere

  1. Barrieren müssen nicht absichtlich aufgestellt werden. Wer authentisch schreibt, dessen Text wird von selbst zur Barriere oder zum Tor. Der Autor muss es dem Leser nicht absichtlich schwer machen, einen Einstieg zu finden, im Gegenteil sollte er ihm den Einstieg durch einen gelungenen Anfang erleichtern. Das heißt nicht, daß der Autor damit sein Fähnlein nach dem Wind hängt, sondern nur, daß er sich auch am Anfang mit seiner ganzen Schaffenskraft dem Text hingibt.
    Beste Grüße
    Madame Filigran

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