Ohne Gefühl

Wenn man alle Gefühle außen vor lässt, den gesamten „Wir schaffen das“-Quatsch, den „Das sind alles Verbrecher“-Unfug, den „Wir müssen die ganze Welt retten, weil wir an allem Schuld sind“-Irrsinn, wenn wir nicht gedankenlos fressen oder realitätsfern Lichtfasten, dann werden wir klein. Klein und machtlos und die Welt mit ihren Gipfeln, Tsunamis, mit dem Hunger und dem Krieg, mit dem Gift in allen Dingen wird groß, riesig, gewaltig.

Wenn man das aushält, wenn man nicht flüchtet in irgendein Gefühl von hoch oder tief, sondern sich wacker in der Mitte hält, dort wo wir wie Adrenalin- oder Depressionsjunkies nie sein wollen, dann spürt man den Druck! Und hat nicht mehr, als seine zwei Hände, zwei Beine, etwas Verstand und mit viel Glück ausreichend Gesundheit, das Leben trotzdem zu wagen.

Jetzt nicht mehr Weltverbesserer oder Teil der dunklen Macht, sondern Versuchender und Suchender, Fehlbarer und Vergebender.
Denn am Ende versuchen alle es irgendwie besser zu machen. Auch die ganz durch Geknallten, auch die haben einen diffusen Masterplan. Aber alle sind weit weg von der Ruhe und dem Kompromiss, vom Verstehen und Zuhören die nötig sind, nur um einen Faden durch das Öhr zu bekommen.

Aber dort will man uns nicht lassen. Das ist gefühllos sagt man uns. Viel zu sachlich. Also streitet man mit uns oder klärt uns auf, damit wir auch fühlen.
Aber wir fühlen ja. Bis ins Mark fühlen wir! Fühlen so stark, dass Worte es nicht vermitteln werden, sondern unsere Taten. Die sind unser Wort. Jeder Handgriff ein Buchstabe, jede Stunde ein Satz, jeder Tag ein Kapitel, das ganze Buch – unser versuchtes Leben.
Denn das macht unsere Würde aus: dass wir es versuchen!

7 Kommentare zu “Ohne Gefühl

    • Vielen, lieben Dank!

      Es sind auch Ihre wertvollen, faktenreichen Beiträge die dazu beitragen den Dialog sinnvoll zu eröffnen, die eigene Konditionierung zu hinterfragen und „die andere Seite“ zu verstehen.

      • Danke für die große Freude, die Sie mir damit bereiten.

        Das ist wirklich ein schönes Gefühl, sich gegenseitig befruchten zu dürfen.

        Nochmals danke und herzliche Grüße
        Der Salva

  1. Wow, schöne Worte für ein Thema, das zum Nachdenken bringt. Vielleicht solltest du mehr solcher Texte schreiben…? Vielleicht würde das mehr Menschen zum Nachdenken bringen…?
    Viele Grüße,
    Felicitas

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