„Ich will mich nicht damit abfinden“

Ein Glanzstück deutsches Kabarett:

„Ich will mich nicht gewöhnen, ich will mich nicht gewöhnen das Deutschland Teil einer Kriegsmaschinerie ist. (…) Die Beteiligung an Kriegen darf nie Normalität werden. (…)
Ich will mich nicht gewöhnen, dass in diesem Europa das Recht des Stärkeren gilt, wenn Hunderttausenden der Zugang zu Bildung, Gesundheit und einem würdevollen Leben verwehrt wird.
Ich will mich nicht daran gewöhnen, dass die Würde des Menschen antastbar ist. Denn die Würde des Menschen steht jeden Tag zu Zehntausenden an Tafeln an, um unsere Reste zu essen. Die Würde des Menschen krepiert vor Lampedusa. Die Würde des Menschen stirbt im Krieg und zwar in jedem Krieg. Weil der Krieg keine Würde kennt, nicht die der Täter und nicht die der Opfer.
Ich will mich nicht an die Barbarei der globalisierten Welt gewöhnen. (…)
Ich will mich nicht flüchten, in den Zynismus derer die sagen „Da kannste nichts machen! Das war schon immer so.“
Ich will mich nicht damit abfinden dass es alternativlos ist, weil es immer Alternativen gibt. Weil es das Wesen der Demokratie ist, dass es so etwas wie Alternativen gibt. (…)
Und ich möchte nicht in einer Welt leben, in der Menschen die solche Gedanken haben, als „Gutmenschen“ verspottet werden und verächtlich gemacht werden. Ausgerechnet von denen, denen der Zynismus jede Form von Empathie so zerfressen hat, dass sie ihre eigene Herzlosigkeit nur noch ertragen können, wenn sie andere verächtlich machen.
Ich möchte nicht, dass die die Deutungshoheit über die Moral bekommen, die keine Moral mehr haben.
Es gibt die Unschuld des Nicht-Wissens nicht mehr.“

Christoph Sieber, aus dem Programm: Hoffnungslos Optimistisch

29 Kommentare zu “„Ich will mich nicht damit abfinden“

  1. Darin hast Du meine vollumfängliche Zustimmung, lieber Peter. Momentan fühle ich mich persönlich sehr erschöpft, da ich das Gefühl habe, gegen Windmühlen zu kämpfen. Es geht mir, wie ich heute las, nicht alleine so. Soll es mich trösten? Da ich das persönliche Empfinden habe, dass die KUNST sich nicht nur der schönen Dinge des Lebens wie der Liebe oder der Natur bedienen sollte.
    Da ich finde, dass wir alle eine gewisse Mitverantwortung tragen, als Blogger oder Künstler – einfach als erwachsene, in Deutschland lebende Menschen.

    „Es gibt die Unschuld des Nichtwissens nicht mehr!“ Sehr schön und treffend geschrieben.

    Ich füge hinzu: Wer schweigt, der duldet.

    Liebe Grüße
    Sylvia

    • Danke liebe Sylvia, wobei die Blumen allein Christof Sieber gehören. Dessen gesamtes Programm sehenswert ist.

      Ich glaube gar nicht, dass so viele unwillig sind. Das Problem ist eher Ohnmacht, was denn überhaupt zu tun wäre: erst die Umwelt retten, die Ausländerfeindlichkeit reduzieren, etc.

      Die Menschen stehen beruflich unter hohem Leistungsdruck, was vielleicht dazu führen soll, dass sie sich erst gar nicht politisch engagieren.

      Und die Medien verstehen es geschickt kritische Stimmen extremistisch zu verzerren und ein Wohlfühl-Konsum-Klima zu schaffen.

      „Reden wir darüber, auch, wenn es schwer fällt. Alle verschwiegenen Wahrheiten werden giftig.“
      F. Nietzsche (aus dem Gedächtnis)

      • Dann gilt es Christof Sieber – sorry, das hatte ich übersehen.
        Nun, Peter, ich bin da anderer Ansicht. Immerhin haben viele Blogger zumindest Zeit, den ganzen Tag über zu bloggen. Da darf auch mal ein kleines, klitzekleines Engagement möglich sein.
        Die Menschen haben, verzeih mir, auch genügend ZEIT, sich schon jetzt in den vorweihnachtlichen Konsumterror zu stürzen. Das Argument ZEIT zählt für mich also nicht.

        Es ist und bleibt für mich eine Tatsache, dass viele Menschen denken: Es ist weit weg. Noch funktioniert alles. Alles ist easy. Es ist letztendlich auch die mediengeförderte Oberflächlichkeit, die ich immer wieder beobachte.
        Letztendlich sind wir also nicht so weit auseinander mit unseren Meinungen ;-).

        Liebe Grüße
        Sylvia

      • liebe sylvia, hier möchte ich doch noch mal kurz einhaken… das ist mir doch ein klein wenig zu plakativ und dogmatisch… wenn du vielen bloggern unterstellst zeit zu haben „den ganzen tag zu bloggen“ und menschen, sich in den vorweihnachtlichen konsumterror zu stürzen und du (mehr) engagement von ihnen erwartest, indem sie ja, was denn, ständig stellung zum zeitgeschehen beziehen? das mag dein weg sein, aber das muss ja für andere nicht der richtige sein. wer weiß, vielleicht sind sie ja auch ganz anders/ auf anderen wegen aktiv? oder haben eine andere art dinge zum ausdruck zu bringen. zum glück gibt es ja mehrere wege, die durchaus das gleiche ziel haben können. das wollt ich doch noch mal loswerden. 😉
        liebe grüße
        diana

      • Liebe Diana,
        so kann man es auch sehen.
        Desweiteren wird es mir meine Familie und Gesundheit sehr danken, wenn auch ich etwas zur Ruhe komme ….

        In diesem Sinne wünsche ich Dir eine besinnliche Weihnachtszeit.

        Liebe Grüße
        Sylvia

  2. Ich hab mich beim Lesen spontan gefragt, wie es sein kann, dass die Würde des Menschen lt. GG unantastbar ist, und wir aber für uns in Anspruch nehmen, dass das woanders nicht gilt. Wobei es ja scheinbar so ist, dass wir es nicht einmal in unserem Land so wirklich vollständig zustande bringen.

      • Du stellst die Frage zurecht. Allerdings vermag ich im aktuellen Parteienspektrum absolut keine Partei zu erkennen, die das vollständig täte. Ev. ist das ja auch eine unerreichbare Wunschvorstellung (genauso wie die Vorstellung, dass sich jeder exakt ans Tempolimit hält) Die Alternative NICHT zu wählen halte ich allerdings für verantwortungslos. Somit kann es, meiner Meinung nach, nur darum gehen, das kleinste Übel zu wählen.

  3. nein, mit all dem will ich mich auch nicht abfinden.
    und doch… geht ja das leben „im kleinen“ weiter.
    und doch müssen wir allen möglichen „stürmen“ trotzen. (im kleinen wie im großen!)
    und trotzdem…
    … gehen wir mal wieder auf die straße?
    (wo ist eigentlich der mut geblieben, etwas bewirken zu können?)
    (und… schreiben lässt sich leicht und viel. ABER auch das ist wichtig und jeder sollte im rahmen seiner möglichkeiten/ fähigkeiten irgendetwas tun.)
    danke für diesen echt guten beitrag, lieber peter!
    mit lieben grüßen
    diana

    • Liebe Diana, ich stimme Dir zu. Schreiben lässt es sich leicht. Doch auch mit dem Schreiben kann so manch einer zur Umkehr bewegt werden – ich habe es selbst erlebt.
      Den Mut, auf die Strasse zu gehen, haben leider zu wenige. Ein Beispiel: meine Heimat Dresden. Tausende Anhänger von PEGIDA sind jeden Montag auf der Straße und immerhin ca. 6000 Menschen waren es bei „Herz statt Hetze“ am 09.11. – der Pogromnacht. Danach war alles wieder (fast) vorüber. Nur noch wenige Hundert sind jeden Montag bei dieser Gegendemo dabei – u.a. meine Wenigkeit.
      Sehr bedenklich ….

      Liebe Grüße
      Sylvia

      • liebe sylvia, aber ja, das sehe ich ja auch so, (auch) das schreiben ist wichtig! heißt es doch zumindest auf jeden fall: nicht zu schweigen. und kann eine art demonstration bedeuten. wenn man schon nicht auf die straße geht (oder gehen kann). ach, es kann vieles… JA.
        liebe grüße zurück,
        diana

  4. Frieden und Wohlstand sind das Ziel einer modernen, demokratischen öffentlichen Politik und beidem wurde schon vor Ewigkeiten der Laufpass gegeben. Und das ist auch die Doppelmoral, die nicht nur aus der Politik kommt sondern auch von uns jedem selbst, wer will denn schon auf etwas verzichten in unserer Gesellschaft? Was den Frieden anbelangt, wer will den schon haben? Da müssten wir ja auf viele Dinge, die unseren Alltag begleiten, unser Leben dem Anschein nach Lebenswerter machen verzichten. Und so ist es auch bei so vielen anderen Dingen, darum klingt der Wunsch nach Frieden zynisch. Vor einem Krieg ist Frieden oft das letzte, was man haben möchte, weil, wenn wir ehrlich zu uns sind, keiner auf die Bequemlichkeiten und die doch so schönen Dinge, seien es Statussymbole wie teure Kleidung, dass beste Smartphone, Haus und ein besseres Auto als der Nachbar usw. verzichten will. Wir rufen nach Frieden und dann? Wonach rufen wir danach? Nach Wohlstand und immer mehr haben, dass ist die Natur des Menschen, nicht von allen, aber der Mehrheit.

    • „Da kannste nix machen!“ An diesem Gefühl will Sieber rütteln.

      Ich kann nicht sagen, dass ich jeden Tag mit Zuversicht an eine Wende in der Entwicklung der Menschheit glaube. Aber Krisen sind auch die Chance einen nächsten Schritt zu gehen.
      Vor solch einer gewaltigen Krise stehen wir . Es wird spannend zu sehen, ob wir sie qualvoll oder klug lösen.

      • Also für die Hindus ist alles ein großer Dauerwirbel der Erschaffung und Vernichtung, mit Epochen der Ruhe im Alleinen (Purusha?)
        Die Buddhisten überlassen es der eigenen Lebensführung zum Nirwana zu finden.
        Im Jüdischen Glauben ist es, glaube ich, wie bei Moslems und Christen, da sie glaube ich alle zu den mosaischen Religionen gezählt werden.

        Genauer weiß ich´s nicht, da ich mich erst wieder für Religionen interessiere, wenn sie keine Kriege mehr gegeneinander führen. Folglich: nie …

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