Ob die Achse bricht?

Die Wahrheit holt uns solange ein bis wir uns ihr stellen. Das ist eine einfache Wahrheit, welche die europäischen Staatsführer seit Langem ignorieren.

Die Ereignisse in Paris sind nicht der „schreckliche Höhepunkt“ nicht der „schockierende Akt“, als der sie dargestellt werden, sondern die zwangsläufige Folge einer nicht lösungsorientierten, sondern klientelgesteuerten Politik.
Wenn man in Krisengebiete Waffen verkauft, wenn man Fluchtursachen nicht behebt, wenn man der Welt die eigene Ideologie aufzwingen will, hat das ein Echo. Ein schreckliches Echo.
Das alles ist bekannt und wird ignoriert, weil es finanziellen Interessen widerspricht.

Es wäre falsch von einer reinen Täterschuld auszugehen und zu glauben, dass wir Unschuldige ausnutzen: in den Krisenregionen werden unsere Waffen gerne gekauft, der Aufbau einer liberalen Zivilgesellschaft wird nicht angestrebt, die dort herrschende Ideologie ist weit menschenfeindlicher.
Dies sollte man bei aller berechtigten Kritik an unserer politischen Führung nicht vergessen: Die Alternativen sind schlimmer.

Die Anschläge in Paris waren nicht willkürlich, nicht unkalkuliert. Es war ein Angriff auf die alte europäische Achse, die eine Gewähr dafür ist, das Europa nicht untereinander Krieg führt. Die beiden selbst ernannten Führungsnationen wurden ins Visier genommen.
Wer daran zweifelt denke an die Bombendrohung gegen das Hotel der deutschen Nationalmannschaft. Deutschland sollte zusehen. Warum die Anschläge danach möglich waren, was die Geheimdienste getan haben …?

Für Merkel ein doppelter Schlag, ihre vollkommen inkompetente Flüchtlingspolitik mag die Tore geöffnet haben für die, die gestern allen Nationalisten Argumente auf dem Silbertablett serviert haben.
Jetzt stehen wir da und zeigen die immer gleiche Betroffenheit und stellen die immer gleichen Fragen.

Dabei wären die Antworten einfach:
Maximale Begrenzung der Rüstungsexporte, regulierter Flüchtlingszuzug und Reduzierung der Fluchtursachen, Rückbesinnung auf eine gemeinsame europäische Innenpolitik statt rückständigem Kolonialgebaren, Beilegung des Konflikts mit Russland, ein gemeinsamer Wirtschaftsraum von Portugal bis Kasachstan, ein Stopp von TTIP, klare Abkehr von der amerikanischen Rüstungs- und Kriegsindustrie.

Amerika agiert im sicheren Raum. Über den Atlantik zu schwimmen ist doch etwas schwerer, als auf dem Landweg nach Paris zu kommen. Die Interessen Europas sind nicht die von Amerika. Amerika ist nicht der Feind, sondern ein Konkurrent, der nichts mehr fürchtet, wie ein großes Europa, welches ihn nicht mehr braucht.

Man kann diese Punkte für Blödsinn halten. Ich beobachte seit den Anschlägen von New York, wie die Ignoranz dieser Tatsachen die Spirale dreht.
Ein altes irisches Sprichwort sagt: Die Wahrheit kann warten, sie stirbt nicht.
Das stimmt.
Aber während sie wartet, sterben unzählige Unschuldige – auf allen Seiten.

20 Kommentare zu “Ob die Achse bricht?

  1. Eins gehört noch dazu: Wie brauchen eine neue Philosophie, die nicht mehr auf Konsum und Wachstum basiert und damit auf der Ausbeutung anderer Länder. Wir müssen wollen, dass alle Menschen überall von dem Erarbeiteten leben können.

  2. … „eine zwangsläufige folge“ von (falscher) politik? hm, ich weiß nicht…
    egal, jedenfalls wie und warum: sowas ist ein schrecklicher akt in meinen augen.
    nichts aber rein gar nichts rechtfertigt so ein tun!
    liebe grüße,
    diana

  3. Und was wird geschehen? Wir sind mitten in einer Spirale, jetzt werden es die Franzosen ein, die noch einmal verschärfen. Keine Regierung kann es hinnehmen, dass der Terror in der Hauptstadt stattfindet – also wird Frankreich sich noch stärker engagieren, vielleicht mit Russland kooperieren – aber ändert das etwas an den Ursachen?

    • Schnell wird sich nichts ändern.
      Es wird ein langer diplomatischer Prozess, um die Voraussetzungen zu schaffen, damit sich etwas ändern kann.
      Wenn mir etwas Sorgen macht dann, dass der politische Wille, alternative Wege zu gehen, nicht zu bestehen scheint.
      Dass die Kulturschaffenden keinen Beitrag versuchen, um andere Wege ins Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen. Über Projekte wie „Band Aid“ mag man denken wie man will, ich fand das damals, als junger Mensch, ein starke Botschaft.

      Ich hoffe mich zu irren, aber die Geschichte lehrt, dass die Menschheit immer die große Katastrophe benötigt, damit sich die Ursachen ändern.

      • Gegen den Hunger oder für die Umwelt, gegen die Nachrüstung, da hat die Kulturszene ihren Beitrag geleistet. Aber diese Islam/Irak/Syrien/Iran/Israels/Russland/Amerika/Ägypten/Frankreich-Geschichte – da weiß doch keiner mehr, wer die Guten und wer die Bösen sind, wem man glaubt und wem man misstrauen muss. Gut, der IS hat sich schon mal recht deutlich als Kandidat für die Rolle des Schurken gemeldet, aber da sind mehr im Spiel. Also, wie du sagst, steuern wir weiter auf die Katastrophe zu.

  4. „Maximale Begrenzung der Rüstungsexporte, regulierter Flüchtlingszuzug und Reduzierung der Fluchtursachen, Rückbesinnung auf eine gemeinsame europäische Innenpolitik statt rückständigem Kolonialgebaren, Beilegung des Konflikts mit Russland, ein gemeinsamer Wirtschaftsraum von Portugal bis Kasachstan, ein Stopp von TTIP, klare Abkehr von der amerikanischen Rüstungs- und Kriegsindustrie.“

    Das sind genau die Punkte, die ich auch für absolut wichtig halte, doch sind die neu? Beklagen wir das alles nicht schon seit langem? Und warum passiert da nichts?
    Somit rennen wir alle sehenden Auges in die nächste Katastrophe.

    Eigentlich möchte ich heute nur noch den Kopf in den Sand stecken und mich tot stellen 😦 .

  5. Ja, gäb es keine Waffen und keine Munition mehr, wäre bald auch wieder Ruh. Nur Frieden hätten wir deswegen noch nicht. –>> | Zweitesselbst's Blog

  6. Wertester, während ich noch herzschlagrase und meinen Frieden finden muß, stellen Sie nicht nur die passenden Fragen, sondern geben gleich Antworten. Darf ich das die nächsten Tage nochmals aufnehmen und bei Bittemito verlinken?
    Chapeau für diesen Eintrag, der genau der meine hätte sein können, nur nicht so fundiert wir hier bei Ihnen. Danke dafür und alles Liebe Ihnen und Ihren Herzmenschen, Ihre Frau Knobloch, stilltagwerkend.

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