Antipode

Also ich mochte ihn noch nie. Ich meine Sartre. Durch „Der Ekel“ habe ich mich gequält, „Im Räderwerk“ war politisch ein Augenöffner. Meine Sympathie hat es nicht geweckt.
Ob das immer so ist, dass man Camus oder Sartre mag, weiß ich nicht. In meinem Fall waren die Sympathien früh verteilt und ich schätze den tiefsinnigen Algerier viel mehr als den französischen Hyper-Intellektuellen.

Aber die Auseinandersetzung mit den Texten Sartres fand ich trotzdem hilfreich. Weil ich insgesamt glaube, dass man nicht nur lesen sollte was einem bestätigt, sondern auch das was einem widerlegt.

Mit dieser Einstellung habe ich mich Sartres Text „Warum schreiben“ aus seinem Buch „Was ist Literatur“ genähert.
Jetzt ergibt es keinen Sinn, alle Textstellen zu widerlegen mit denen ich mich nicht konform fühle, aber ein wesentliches Element, dass für Sartre richtig scheint, ist mir zu wider: intellektuelle Arroganz (basierend auf dem Freiheitsrecht des Künstlers), wie in dieser Textstelle:

„Aber es versteht sich von selbst, dass wir um so weniger das Bewusstsein von dem hervor gebrachten Ding haben, je mehr wir das von unserer produktiven Tätigkeit haben. Geht es um ein Töpfer- und Zimmererwerk und fabrizieren wir sie nach traditionellen Normen mit Werkzeugen, deren Gebrauch vorgeschrieben ist, so ist es das berühmte Heideggersche „Man“ das durch unsere Hände arbeitet.“
ebenda

Es gibt noch mehr Stellen, die sagen:
Kunst: oben, Handwerk: unten.
Ich finde eher: Kunst: schöner Schein, Handwerk: sichert das Überleben.

Ich kenne relativ viele Handwerker, denen ich diese Passage erspare, weil die Art, wie sie Holz oder Ton oder Metall bearbeiten ebenso viel Intuition, Wissen und Kreativität erfordert, wie „Kunst“; und das intellektuelle BlaBlaBla, mit einer Prise Heidegger, nur Kopfschütteln hervorrufen würde.

Für mich war es eine gute Textstelle, weil sie mir bestätigt hat, dass ich in jeder Kunst auch das Handwerk schätze und in jedem Handwerk die Kunst. Mir erscheint das Bewusstsein nicht spaltbar ins „Ding“ und in die „produktive Tätigkeit“.

„Die Freiheit der Kunst ist nicht viel wert, wenn sie keinen anderen Sinn hat, als die Behaglichkeit des Künstlers zu sichern.“

A. Camus
Quelle: http://www.zitate.eu/de/autor/544/albert-camus?page=1

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