Gedanken zum Bloggen aus dem Jahr 1923

„Es genügt, sich an den Aufbau der Bücher Majakovskijs zu erinnern – ein offenes Tagebuch, in dem alles Intime vermerkt wird und das dadurch zukünftigen Biographen die Wege zur Schaffung irgendeiner anderen, außerliterarischen Biographie verstellt.“
Quelle: Texte zur Autorenschaft, Reclam Verlag, S. 60 ff

Beachtlich oder, wenn man bedenkt aus dem Jahr 1923.

Zwar vermerkt nicht jeder Blogger alles Intime in seinem Blog, aber das bereits im Jahr 1923 die Idee eines offenen Tagebuches beschrieben und reflektiert wird, zeigt in welchen langen Zyklen neue Ausdrucksformen entstehen können.
Der Autor B. Tomasevskij sieht bereits damals „Der Futurismus zieht die letzten Konsequenzen aus der romantischen Hinwendung zur Autobiographie. Der Autor wird wirklich zum Helden seines Buches.“ (ebd.)
Jetzt muss man sich nicht als Held sehen, um gerne zu bloggen. Aber der Gedanke, etwas Mitteilens Wertes zu sagen zu haben, spielt gewiss in unterschiedlichem Maß eine Rolle.
Insgesamt führt das Bloggen zu neuen Definitionen von Autorenschaft: ist nur Autor wer ein Buch veröffentlicht? Bestimmt ein Textumfang die Autorenschaft?

Sehr spannend finde ich den Aspekt, dass man willentlich oder nicht durch die Wahl der Textbeiträge auch einen biografischen Blick für die Leser ermöglicht. Auch ein Blog über Rezepte erlaubt Rückschlüsse auf den Autor.

Wer weiß, vielleicht werden in hundert Jahren, nicht aktuelle Verlagsautoren die Leser beschäftigen, sondern Blogs in welcher Form auch immer überliefert: als Zeitdokument, Psychogramm oder rasanter Triller.

3 Kommentare zu “Gedanken zum Bloggen aus dem Jahr 1923

  1. was für feine tiefsinnige gedanken aus dem jahr 1923 (!) und von dir dazu, lieber peter 🙂
    hab mir erst letztens ebenfalls intensivere gedanken zum bloggen gemacht, warum ich eigentlich blogge. mir geht es vor allem darum, dass ich bzw das, was ich zu sagen habe, gelesen werde/ wird, klar. und es geht mir um den austausch und auch sehr ums feedback, gebe ich gern zu, (das auch gern kritisch sein darf). naja, letztlich macht mir bloggen einfach spaß! (auch das kommentieren auf anderen blogs übrigens, und hier bei dir ganz besonders ;))
    Und in jedem blog steckt viel vom autor, das sehe ich auch so!
    liebe bloggergrüße 😉
    von diana

    • Liebe Diana,
      es sind in erster Linie Mitblogger-(innen) wie Du, die mich motivieren, meinen Blog fortzuführen.
      Ich hatte zuletzt eine Phase, in der ich intensiv erwogen haben meinen Blog zu schließen. Nicht weil es mir nicht Spaß macht, sondern, weil mir die Zeit fehlt, die ich für das Schreiben im „inneren Monolog“ brauche. Mein Antrag auf zwei bis drei X-tra-Leben ist leider noch nicht bearbeitet worden.
      „Aber es wäre doch zu schade…“, habe ich gedacht und die Überlegung verworfen.
      Vielen DANK für den Austausch! 🙂

      • puh, da bin ich aber froh! 🙂
        dass du diesen blog weiterführst. das wäre nun wirklich viel! zu schade. aber ich verstehe deine gedanken gut. mir fehlt im grunde auch zeit, nein, nicht mal zeit, zum schreiben, aber ruhe und muße. (nicht muse, die ist schon da ;))
        ja, ich danke dir für diesen blog und für den austausch, der mir mit dir wertvoll geworden ist, peter. du sprichst mir oft aus der seele…
        herzlich,
        d.

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