Alles egal!

Zu Gunsten dieses Beitrags, opfere ich meine geplante 12-teilige Reihe „Was alles geschah während ich offline“ war. Man muss Prioritäten setzen 😉

Dass kein Rezept stimmt, welches man über erfolgreiche Schriftstellerei liest, belegen mir zwei Bücher/Hörbücher, die ich in den letzten Wochen gehört/gelesen habe:
Zum einen „Wolkenatlas“ von Mitchell und die „Tribute von Panem“ von Collins.

Warum die Rezepte nichts taugen?

Bei den „Tributen“ muss man berücksichtigen, dass es sich um ein Jugendbuch handelt.
Ansonsten ist es mir vollkommen rätselhaft, wie dieses Buch ein solcher Erfolg werden konnte. Die Protagonistin ist eine nervige Göre die zwischen Supergirl und hysterischem Psychofrack hin und her schwankt. Die anderen Figuren bleiben durchgehend blass, sind vorhersehbar und eindimensional. Die Grundidee der Geschichte ist nett, aber von Kings „Menschenjagd“ nicht weit entfernt. Und bei weitem nicht so eindringlich erzählt.
Die Beschreibung der Orte ist abhängig vom „Auto-Vervollständigen“ des Lesers: der muss aus der spärlichen Beschreibung eigene Kulissen gestalten. Badezimmerszenen und Kleiderproben langweilen zu Tode. Glaubwürdig ist nix, das ist auf Grund des Settings verzeihlich. Die Sprache zeigt, dass der unsachgemäße Gebrauch von Adjektiven Erfolg nicht verhindert. Das billige Vergleiche kaum jemand bemerkt und Info-Dump der Leserliebe keinen Abbruch bereitet.

Ich weiß das Urteil ist hart, auch bei bisschen unfair, weil ich nur das Fragwürdige thematisiere. Aber wenn stimmt was behauptet wird, dürfte dieses Buch nicht mehr als drei Käufer haben.
Leser suchen anderes. Ich kann mir vorstellen, dass die Protagonistin für viele junge Mädchen eine tolle Identifikationsfigur ist. Und das bleibt entscheidend!

Und der „Wolkenatlas“?
Der war auch ein Erfolg und, wie ich finde ein verdienter. Ein Buch das mit einer wortreichen, treffenden Sprache glänzt, das mit tollen Figuren, unvorhersehbaren Wendungen, einer großen Inszenierung und Intention den Leser mitnimmt durch die Menschheitsgeschichte. Man riecht, schmeckt und atmet die Schauplätze und bangt mit deren Figuren.

Auch Mitchell traut sich vieles was man angeblich nicht „darf“ (lange Sätze, Rückblenden, Charaktere ohne direkte Identifikationsfläche), trotzdem war er erfolgreich.
Beide wurden verfilmt und haben ein Einkommen gesichert, mit dem sich neue Bücher schreiben lassen.

Für mich waren sie ein Beleg, dass Lehrmeinungen über das Schreiben, wie Popcorn im Kino sind: Sie machen die Arbeit unterhaltsam, aber entscheidend ist was vorne auf der Leinwand, also im Kopf des Lesers geschieht.

Am Ende lautet die Botschaft: Schreiben, so gut man es kann! Es ist eine Frage von Fleiß, Beharrlichkeit und am stärksten Glück, ob man (finanziellen) Erfolg damit hat.
„Ein Gramm Praxis ersetzt eine Tonne Theorie.“ Sagt man unter Yogis.

10 Kommentare zu “Alles egal!

  1. Ja, ich kenn zwar aktuell keine der Veröffentlichungen. Aber ich denk auch, was man so liest, und was dann auch gefällt, hängt unter Umständen von der Tagesform ab. Und wenn der Schreiber genau die richtige mit seinen Worten erfolgreich trifft, ist beiden geholfen.

  2. Das beste an der Filmumsetzung bisher der Song. Auch wenn der Chor später nervt und gesagt wird sie könne ja gar nicht singen ist vor allem der remix stimmig.
    Zum Thema – selbst beim ersten Harry Potter hab ich mich gefragt, wie zum Geier… Aber ich war auch nicht die Zielgruppe. Erfolg ist halt etwas das passiert unabhängig von allgemein voraus gesetzten Fähigkeiten. Finde ich aber ok. Nenne ich mal „Kultur“ 🙂

  3. Zu «The Hunger Games» möchte ich sagen, dass ich die Bücher gelesen habe und sie unterhaltsam fand und deutlich besser als die Filme. Sie sind, zumindest nach meiner Meinung, etwas anderes, als der Rest der verfügbaren Jugend(buch)kultur. Zudem ist eine Frau die Hauptfigur, und dies ganz ohne, dass man ihre Rolle hätte «künstlich» erfinden müssen.

    Natürlich ist nicht immer ganz klar, weshalb nun das eine oder das andere Buch Erfolg hat, aber oftmals treffen die erfolgreichen Bücher genau den Nerv der Zeit und sind nicht allzu schwer verdaulich.

    • Hallo Pascal,

      vielen Dank für Deine Ergänzung.
      Ich habe mir absichtlich ein Buch ausgesucht, welches seine Leser gefunden und seinen Erfolg bewiesen hat, da ich prinzipiell nichts von Kollegenschelte halte. Aber das Buch (und das von Mitchell) war ein gutes Beispiel, dass viele der gelobten Rezepte gut sein mögen, aber nicht jeden Geschmack treffen und Erfolg auch mit Glück zu tun hat.

      Wenn Du Lust und Zeit hast, schau doch mal beim ClosedAreaProjekt vorbei. Buch 1 ist vorgestellt und Du solltest einige Deiner Anregungen verwirklicht finden. Ich wäre neugierig!
      😉

      Dir einen schönen Abend
      Peter

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s