(K)Ein Künstler sein

Ich nehme eigentlich am Kulturbetrieb nicht Teil. Weniger aus Überzeugung, sondern weil ich den Trubel nicht mag.
Aber, wenn ich Teil nehme, wie heute, dann gruselt mich – wegen der Künstler und dem Publikum.
Für beide ist es eine tolle Veranstaltung! Endlich dem Alltag entfliehen!
Damit suchen sie das Gegenteil von dem was ich durch Kunst suche: Erhöhung und Transzendierung des Alltags.

Ich gewinne mit dieser Einstellung keine Leser. Ich müsste streben: nach Lesungen, nach Aufmerksamkeit, nach Artikulation in der Kunstwelt.
Aber: Das bin ich nicht.
Ich bin ein dialogischer Mensch oder manchmal, wie hier ein monologischer.

Das Podium und sein Durcheinander an Meinungen, die Bühne mit ihrer Zurschaustellung, der Saal mit seiner Mischung aus listiger Fehlersuche, eitler Anwesenheitspflicht und seltener Liebe zur Darstellung, liegen mir nicht.
Deshalb habe ich kein Gefallen daran Künstler zu sein oder es nicht zu sein.
„Man ist was man isst“ und man ist, wer man ist. Zufällig mit oder ohne Publikum.
Etiketten sind etwas für Schaufensterpuppen.

Heute ist es einfacher. Heute bin ich Publikum.
Wenn schon Kunstbetrieb dann unter den Nicht-Hervorgehobenen.
Ich freue mich auf den Sonnenuntergang hinter der Freilicht-Bühne mehr, wie auf das Schauspiel auf der Bühne. Ich freue mich auf das Essen davor und die stimulierten Sinne danach.
Ich freue mich, das es Menschen gibt, die gemeinsam etwas schönes auf die Beine stellen.
Auch, wenn dazu Kunstbetrieb nötig ist und Künstler sein…
Man kann sich durch Begriffe einsperren – oder aussperren.

Manchmal ist es gut, Begriffe auf das zu reduzieren was sie sind:
eine Ansammlung von Buchstaben, von konstruierten Zeichen.
Mensch sein reicht.

8 Kommentare zu “(K)Ein Künstler sein

  1. Ich mag den Kulturbetrieb und bewundere es, mit welcher Souveränität manche sich darin behaupten. Obwohl ich nicht daran teilnehme und meine selbstdarstellerischen zum ‚Klappern‘ geradezu erbärmlich sind. Dazu stehe ich. Gehöre eher zu den Ruhigen, die abseits stehen und beobachten. Ich gebe es zu – manchmal wäre ich gern anders oder hätte mehr Mut, mich dem allen zu stellen, zu versuchen zu bestehen unter vielem, was ich an Literatur richtig gut und beeindruckend finde.
    Ja, ich empfinde mich als Künstlerin. Ich schreibe und dies nicht um Leser zu gewinnen oder mit kommerziellem Ziel, sondern weil es etwas ist, das mir Herzensbedürfnis ist, eines, das Anspruch und auch Ehrgeiz beinhaltet, oh ja.
    Ich verdamme den Kommerz nicht, er bringt Kunst zu anderen hin. Er hat negative wie positive Eigenschaften. Doch ich ordne mich ihm nicht unter oder mache mich abhängig davon.
    Es ist etwas Fantastisches, wenn Menschen das was ich schreibe lesen und teilen, ich sie damit berühren kann.
    Ein tiefer schöner Reichtum.
    Damit mein Leben zu bestreiten – ja, das ist ein Traum, da bin ich ehrlich.
    Bei alledem bleibe ich erstmal Mensch, genau wie Du.
    Ich dialogisiere und manchmal monologisiere ich und vor allem bemühe ich mich um Kommunikation.
    Den Austausch, der mich inspiriert, beflügelt und mir durch andere wie durch mich selbst diese Welt und das Leben nahe bringt, es fühlbar und lebenswert macht.
    So macht Kunst mir Spaß: offen zu sein für alles und zu partizipieren von der Kunst anderer.
    Auch von Deiner.
    Danke dafür.✨

    • 🙂
      Danke für Deine sehr treffende, schön vertiefende Erweiterung.

      Wahrscheinlich ist es auch eine Gemütsfrage. Auf einer Seite für Musiker oder Schauspieler würde mein kleiner Beitrag nur Kopfschütteln auslösen. Die müssen auf die Bühne und sich zeigen wollen, wenn sie sich nicht für Studio und Kino entscheiden.
      Der Markt fordert Inszenierung und Eitelkeit das weckt Käuferlaune.

      Aber das Echte – das arme Echte …

      Aber: Und Dir für Deine 🙂 !!! 🙂

  2. Das könnte ich unterschreiben – auch den Kommentar von Karfunkelfee.
    Ich sehe mich als „Einzelgangerin“, ja beinahe Eremit in dieser Welt der „disziplinierten“ Zurschaustellung.
    Mir graut es schon vor den Lesungen ab Ende September, da ich lieber im Hintergrund und als stille Beobachterin in der gefestigten Atmosphäre meiner Gedanken verweile.
    Es graut mir vor dem Kommerz und ich werde mich den latenten, materialistischen Ansprüchen in dem Bereich der Kunst nicht hingeben. Dieser nämlich hindere mich in meiner Kreativität, verdirbt meine freiheitliche (Ver)Fassung.

    Meine Beobachtungen unter Künstlern:
    Ein häufiger Austausch von Intellekt, der dem Neid zum Opfer fällt.

    Danke für diesen Beitrag. Gestern schrieb ich auf meinem neuen Blog:
    Wir suchen GleichgeSinnte, damit wir uns nicht mehr abSeits fühlen.
    Ich fühle mich gerade nicht mehr ganz so an der Seite stehend ;-).

    Liebe Grüße
    Sylvia

    • Schön! 🙂

      Ja, der Künstlerneid, gerade die – da hätten sie auch Bänker werden können oder Makler oder Manager … 😉
      Es menschelt halt überall.

      Von Kunst leben wollen/müssen ist ein Thema welches mich schon lange beschäftigt. Ich denke die meisten wollen die Freiheit ihrer Gedanken und ihrer Kreativität, aber warme Brötchen sind halt auch nicht schlecht.
      Ich glaube es war A. Nin die eine Weile erotische Geschichten für einen älteren Industriellen geschrieben hat, um sich über Wasser zu halten. Hat sie sich damit schon verkauft?
      Thomas Mann hat seine künstlerische Freiheit, glaube ich, dem Vermögen seiner Schwiegereltern zu verdanken gehabt. Hätte er, wie sein Bruder geschrieben, wenn er zu mehr Nähe zum Volk gezwungen gewesen wäre?
      Die meisten Künstler müssen, wie alle anderen Menschen (und deshalb ist es gut) schauen, wie sie über die Runden kommen. Aber man hadert , was möglich wäre, wenn man mal richtig Zeit hätte…

      Ich danke Dir für Deinen Zuspruch und Deine schöne Lyrik.
      Hab´ einen sonnigen Tag
      Peter

      • Ich habe „Die Tagebücher von A. Nin“ während eines längeren Krankenhausaufenthaltes 2008 gelesen. Es gibt Bücher, die man nie vergisst – dieses gehört bei mir dazu. Mich beeindruckte die Tiefe und auch Nichtalltäglichkeit ihrer Gedanken und ich fühlte mich dieser Frau sehr nah.
        Ob sie sich verkaufte – ich glaube nicht. Sie war keine Frau der Oberflächlichkeiten.

        Damals und heute ist es ein ständiger Kampf, als Künstler „an warme Brötchen zu kommen“ :-).

        Manchmal glaube ich, mit der Digitalisierung ist es um einiges schwieriger geworden. Jeder kann im Eigenverlag publizieren, was zu einer Überschwemmung des Marktes führt. Dies hat für Autoren viele postive Aspekte, denn mit Verlagen zu arbeiten, heißt eben auch „Pflicht“ und oft Druck.

        Ich bin sehr glücklich für den Umstand, versorgt zu sein (den Grund dafür eher weniger) – auch hier ist wieder erkennbar: Jede Münze hat zwei Seiten.
        Wäre diese Situation nicht so, würde ich infolge einiger disharmoninischer Zustände in meinem Berufszweig ggf. zum „Aussteiger“ werden – denke ich (aber auch erst nach dem Flüggewerden des Kleinen).
        Ich möchte mich nicht mehr eingesperrt fühlen (wie eingezwängt in ein viel zu enges Kleid) und Dinge sagen und tun, die mir zuwider sind, meinem Denken und meinen Lebensmaximen mittlerweile schon im Ansatz massiv widersprechen.
        Wir unterliegen, gerade als Künstler, keinem Stillstand.

        Auch meine innere Freiheit empfinde ich inzwischen als essenziell.
        Es führt sicher zu einem harten, täglichen Kampf. Doch dieser wird für einen selbst geführt. Das ist mutig, risikoreich, vielleicht auch konträr zur deutschen Mentalität.
        Ein schwieriges Thema ist es :-).

        Ich Danke Dir auch für Deine Beiträge, die für mich eine Bereicherung sind.

        Liebe Grüße aus dem wieder sonnigen Sachsen,

        Sylvia

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