Jetzt hab ich´s!

Ich habe mich immer gefragt, was mich an der Erstellung eines Exposé nervt.
Jetzt habe ich es heraus gefunden: Im Exposé erscheint mir jede Geschichte entbehrlich und der Mühe nicht wert.
Ich habe spät mit dem Schreiben begonnen, weil es mir sehr lange eine Zeitverschwendung erschien, Gedanken niederzuschreiben statt zu leben. Das Exposé mit seinem Reduktionismus nährt dieses Gefühl der Absurdität: Start – Spannung – Ende.

Aber so ist es ja nicht. Ein Exposé über Sex würde so klingen:

Die Geschichte: Beine breit. Rein, raus. Fertig.
Szenario: Kammerspiel.
Perspektive: Der allwissende Voyeur.
Figuren: Mann, Frau.
Themenvariation: Zwei Frauen ohne Mann. (bei einer Lektorin evtl besser die andere Variante)
Spannungsbogen: Interruptus Ja oder Nein?

Kerzenlicht? Warme Haut? Die Begegnung zweier Seelen? Völlig überbewertet. Ein profaner Akt, wie das Lesen …

Ein schlechtes Exposé sagt, dass der Autor schlechte Exposés schreibt.
Ein gutes, dass er in der Lage wäre dem Teufel Weihwasser zu verkaufen.
Ein Buch muss gelesen sein, um beurteilt zu werden.
Ich hätte den „Zauberberg“ auf den ersten 100 Seiten am liebsten 10mal beendet, aber ich kannte die „Buddenbrooks“ und wusste, da kommt was. Halleluja, dass ich nicht nur die ersten vier Seiten gelesen habe (Sorry den musste ich loswerden.)
Bei „Limit“ war ich mir sicher, dass es mich fesseln würde, wie der „Schwarm“. Ab Seite 400 geriet das Sandmännchen fast in einen Burnout.

Der Stil kann schlecht sein (da hilft der Lektor), die Rechtschreibung fehlerhaft (da hilft der Korrektor), das Layout verfehlt (da hilft der Layouter), aber eine Geschichte lässt sich erst ganz gelesen beurteilen.

Und was lernen wir daraus?
Vor dem Beischlaf kein Exposé verlangen und was sind das wohl für Leute die eins haben wollen …  😉

9 Kommentare zu “Jetzt hab ich´s!

  1. Ich hab früher auch meist drauflosgeschrieben ohne viel zu planen. Hat mal gut, mal weniger gut funktioniert. Inzwischen hab ich mich selbst davon überzeugt, dass eine Vorausplanung bei bestimmten Geschichten unumgänglich ist, wenn man sich nicht verheddern und hinterher Ungereimtheiten aufwändig glattbügeln will. Und wenn man einen Verlag überzeugen will, geht eh nix ohne – notfalls muss man das Exposé halt nachträglich verfassen. 😀

    • Danke für die Ermutigung! 🙂
      Dass es ohne Plotplanung, Figuren-„Casting“ und Szenen-Recherche nicht geht habe ich mit jeder doppelten Arbeit am Skript widerwillig gelernt.
      Aber mir scheint dem Exposè zu viel Wert beigemessen. Auch, wenn ich verstehe, dass Lektoren sonst keine Chance hätten, sich durch den Berg an Einreichungen zu arbeiten.
      Aber, dass ich nach dem Lesen des Rezepts noch nicht weiß, wie das Essen schmeckt, sollten sie nicht außer acht lassen 😉
      Nachträglich klingt sehr sympathisch 🙂

      • „Die einzig richtige Arbeitsweise“ gibt es nicht – oder anders gesagt: Viele Wege führen nach Rom. 😀
        Aber wohlgemerkt: Nicht alle Wege führen nach Rom, das gehört auch zu den Erkenntnissen, die man durch Versuch und Irrtum erlangt. 😉
        Und dann kommt es halt auch darauf an, inwieweit man das Schreiben als einsamen Prozess im stillen Kämmerlein oder als Teamarbeit begreift oder haben möchte – wobei das je nach Projekt variieren kann. Das Problem ist: Wenn der Lektor hinterher massiv eingreifen muss, wäre es im Nachhinein betrachtet wohl besser gewesen, man hätte die Eckpunkte vorher abgestimmt. Vor allem Logiklöcher lassen sich nicht immer ausbügeln, jedenfalls nicht schmerzfrei.
        Bei meinem ersten Cotton-Reloaded-Roman hab ich die Erfahrung gemacht, dass ich mit einem ausführlichen Exposé sehr gut fahre. So konnte ich den Roman in für meine Verhältnisse (ich schreibe ja nebenberuflich) sehr kurzer Zeit schreiben und hatte bis zum Abgabetermin dadurch mehr Zeit für die Überarbeitung übrig. Ich empfand das als recht komfortabel – denn gerade unter Zeitdruck arbeiten zu müssen, bringt oftmals eben keine guten Ergebnisse.

      • Dito!
        Zu den Nebenberuflern gehöre ich auch; und wie King so treffende geschrieben hat:
        „Wenn du deine Geschichte zum ersten Mal niederschreibst, sperre die Tür zu, ehe du sie das zweite mal schreibst, mache die Tür weit auf“ (sinngemäß)
        Moment –

      • Was den Rezeptvergleich betrifft: Beim Exposé geht es ja nicht darum, abschätzen zu können, wie das Essen hinterher schmeckt. Es geht vielmehr darum zu sehen, ob es ein Gericht ist, das einem schmecken k ö n n t e, ob es überhaupt einem bestimmten Geschmack entsprechen könnte (wenn Fleisch dabei ist, wird ein Verganer sagen: nein danke 😉 ), ob die Zutaten zueinanderpassen, ob man aus dem Rezept ein harmonisches Gericht zaubern kann.

      • – so da geht´s weiter:
        der Text ist natürlich polemisch und, wenn man polemisch wird hat man mit der Wahrheit wenig zu schaffen.
        Gäbe es kein Exposé oder wäre es verboten, wäre ich wahrscheinlich sofort für seine Einführung.

        Polemisch und damit ungenau, werde ich immer bei den Dingen die mir zu absolut erscheinen.
        Ein Exposé kann ein praktisches Hilfsmittel sein oder ein lästiger Formalakt. Es geht ja manchmal hin bis zu „Legen sie ihrem siebenzeiligen Gedicht bitte ein zweiseitiges Exposé bei“.
        Aber ich glaube, dass ich unter einem Exposé auch etwas knapp gefassteres verstehe, als das was Du beschreibst. Die Quellen die ich mir zur Definition eines Exposè angelesen habe, sind alle nicht valide.
        In einem Roman genügt es oft nicht, allein die Kernstruktur des Romans im Auge zu behalten, sondern jedes Kapitel braucht eine Personen-, Orts- und Handlungsübersicht.

        Aber der Spaß am Schreiben – und darum geht es mir – und das Herz beim Schreiben sollte über Formalien und Werkzeugkunde nicht verloren gehen. 🙂

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