Empörungstendenzen

Gut, ich habe keine Ahnung wie man Bücher präsentiert, bewirbt und verkauft. Da habe ich kaum Argumente auf der Habenseite. Aber das raubt mir ja nicht die Berechtigung zu beurteilen, ob das gut ist, wie man Bücher aktuell bewirbt.

Ich lass´ mal mein „Zerstückelt sollst du sein – ein tolles Buch mit sympathischen Figuren“-Lieblingsbeispiel weg und komme zum (für mich) marketing-strategischen Supergau von Rororo:

„Bernhard Cornwell-Der Leere Thron“
„Wie Game of Thrones nur in echt“

Mit Martin für Cornwell werben und die Inhaltsangabe gleich mitliefern, damit die, die ihre Regale nur befüllen sagen können „Wie Martin, nur in echt“ ohne es gelesen zu haben?

Galle entspann Dich.

Ja, muss man das nachplappern, nur, weil es der Observer so geschrieben hat. „A Game of Thrones“ ist nichts als ein imposantes Stückwerk, welches seine gesamte Wucht erst noch beweisen muss.
Cornwell hat allein mit der Derfel-Geschichte, um die Artus-Sage sein Können gezeigt. Er schafft Epen und beendet sie. Martin spielt bislang nur mit Spannungselementen.

Muss sich jetzt alles im Schatten von Martin abspielen, nur weil der Tolkiens zwei R hat.
Man unterstellt den Selbstverlegern sie würden die Literatur vor die Wand fahren, weil durch sie nur Schrott auf den Markt käme.
Aber die etablierten Verlage sorgen mit ihren künstlichen Geschmacksverstärkern, welche auf drei Autoren mit 97 Buch-Serien setzen, für einen viel größeren Schaden am Buchmarkt und der Lese-Kultur.
Mir ist klar, dass es für Verlage die beste Art ist, das unternehmerische Risiko zu minimieren.
„Drucken wir, egal was drin steht, Hauptsache der Autorenname passt.“

Eijeijei. Meine Galle springt im Kreis.

Also ich schätze beide, aber wir haben eine völlige Herabsetzung der Geschmacksknospen schon im Bereich der Musik. Da müssen echte Musiker den Hintergrund für gesichtsoptimierte Handpuppen bilden. Allalalalong schlägt Agnes Buen Garnas, immer und überall (Agnes wer? Eben!)

Es fing schon mit den Vampir-Schablonen-Geschichten an, aber, wenn jetzt selbst begnadete Autoren im Schatten der Bestseller verkauft werden müssen, dann mache ich hier den Bauchladen zu, zwitschere mit den Vögeln, bis der liebe Gott wieder Hirn vom Himmel wirft.

Danke für die Aufmerksamkeit

Ein Gallenstein bleibt mir erspart …

8 Kommentare zu “Empörungstendenzen

  1. Gar nicht überzogen, aber das Problem ist nicht neu (babbel …) Der Artikel rückt es nur stärker in den Fokus, weil – Achtung – dank der Selfpublisher diese Fakten jetzt auch endlich kommuniziert und gehört werden. (Kleinverleger, die so was schreiben, werden als „neidische Nichtskönner“ belächelt, die sauer sind, dass sie kein Stückchen vom großen Kuchen abbekommen – hab ich auch schon erlebt.)
    Was tun? Jammern und trotzdem lesen, weil man nicht auf das geschriebene Wort verzichten will? Weit gefehlt: Ich bin für einen langen Atem und konsequentes Am-eigenen Thema-festhalten. Wenn Selfpublisher und Kleinverleger jetzt auch noch die Geduld verlieren und auf den großen Low-Budget-Serien-Zug aufspringen, dann hat sich’s tatsächlich bald mit dem sog. Abendland. Wär schad‘ drum!

    • Danke!
      Bauch- und Buchladen bleiben geöffnet 😉
      Aber ein Verlag, wie RoRoRo dessen Programm ich seit Jahrzehnten schätze, wenn der sich auch zu solch flachen Parolen niederkniet …
      Eijeijei die Galle!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s