Spätsommer

Spätsommer

Der Sommer ist verbrannt
und liegt in letzter Glut.

Wie schwere Träume
tropfen Früchte von den Ästen
und in der Luft sinnt Rauch
über vergangene Feste.

Die Schatten drängen mild,
wie Erinnerung in Düfte …
der Himmel spendet sein Blau,
als ob er um das Grau schon wüsste.

Die Welt sie webt einen Traum
im Licht des nie Verstandenen,
sie scheidet klug in Zeit und Raum
und reift im ewig Unerkannten.

Der Sommer ist verbrannt
und wärmt mit letzter Glut.

PGF 08/16

Die Bushorty

Aktuell prallen zwei sehr unterschiedliche moralische Begriffe aufeinander, die versuchen synonym zu sein, aber es nicht sind: Werte und Toleranz.
Wenn man Werte hat, kann man nicht grenzenlos tolerant sein, hingegen führt Toleranz in letzter Konsequenz zu einem Werteverlust.
Ohne Werte lässt sich keine Identität bilden und ohne Identität keine funktionierende Lebensform.
Toleranz gilt als gut, aber sie kann faul und feige sein. Sie kann zu allem ja sagen, weil sie zu träge oder ängstlich oder denkfaul ist sich mit fragwürdigen Ansätzen kritisch zu beschäftigen. Sie kann blauäugig und naiv sein und nach haltlosen Idealisten-Schablonen die Welt auf „alle sind lieb und gut“ nivellieren. Sie ist dann nicht Freigeistigkeit im besten Sinn, sondern im satten Sinn.

Ein perfektes Beispiel bietet die aktuelle Burkini-Diskussion.
Die Toleranz sagt und (mitunter, meine ich), fordert die bedingungslose Akzeptanz dieser Kleidungsordnung. Der Habitus dieser Toleranz lautet: alle dürfen tun, was sie wollen. Der Wert aber, um den es gehen sollte, den sie verteidigen sollte lautet: Freie Entfaltung für Frauen.
Wenn dieser Wert fest steht, kann man darüber diskutieren, ob die Burkini ein Sinnbild von Freiheit ist oder nicht. (Die gleiche Diskussion ist über das Habit erlaubt, und natürlich kann auch der Bikini eine Form von Zwang sein). Freiheit, für mich, wäre gewährleistet, wenn eine Frau (und ich meine die gleiche) Burkini oder Bikini tragen kann, je nachdem wie ihr ist und, wie sie es möchte. Vielleicht denkt sie als Kind, junge Frau, reife Frau, alte Frau jeweils anderes darüber …

Wie alle Wahrheiten sind auch Werte subjektiv. Es bleibt bei jedem selbst, wie er die weibliche Verhüllung empfindet. Zuletzt ist es eine Frage, welche Feministinnen klären sollten und nicht Männer …

Für die Männer, speziell die muslimischen, stellt sich eine andere Frage: Wenn, es Argumente für die Verhüllung des weiblichen Körpers gibt, sollten die nicht auch für Männer gelten?
Müssten sie dann nicht eine Bushorty tragen und damit beweisen, dass es ihnen nicht um eine Unterdrückung der Frau geht, sondern um den Schutz ihrer Würde.
Oder geht es doch um den Schutz des „Eigentums“, so wie man mit einem Zaun den Garten ängstlich vor fremden Blicken schützt?
Und, wie weit ist es Indoktrinierung, wenn Frauen sich den Wunsch nach Verhüllung zu eigen machen?
Und gibt es nicht andere Möglichkeiten für Frauen, der Sexualisierung ihres Körpers entgegen zu wirken, wie beispielsweise in Indien mit dem Sari?
Viele Fragen, welche die Toleranz beantworten müsste, wenn sie mehr sein will, als ein „macht doch was ihr wollt“.

Werte sind für mich glaubhaft, wenn sie Frieden gewährleisten, Kindheit schützen und Menschen in ihrem Selbstausdruck nicht behindern. Toleranz tut dies nicht immer.

PGF 08/16