Offenes Ende

Nein, es sind nicht alle Tage wundervoll und: nein, „Think Positiv“ reicht nicht aus – reicht nicht aus für alles, was größer ist, als kleine Eitelkeit.
Es gehört auch Druck und Stress und Schweiß dazu.
Es gibt auch die schwierigen Tage: kraftraubend, konfliktreich, fragwürdig, ungelöst, herausfordernd und es gibt viele davon.
Und es ist nicht leicht, sondern es ist schwer, wenn man zeitgleich viele Dinge versucht, mit der Chance viel zu ernten oder aber viel zu verlieren.
Und auch dafür, für diesen Kampf, dieses Ringen, diese Anstrengung gilt es dankbar zu sein! Es ist ein Geschenk: sich mit dem Leben messen zu dürfen.
Viel schlimmer, wenn man die Kraft dazu nicht mehr hat oder nicht entwickelt.
Aber mit: „Du musst das nur positiv sehen, du musst nur dran glauben“, blablabla, damit kann man einige Wochen, vielleicht sogar ein ganzes Jahr Illusionen nähren, aber dann platzt die Blase, wenn nicht auch Anstrengung hinzu kommt.
Denn so mitten drin, zwischen all den Fragen, mitten auf dem Seil, wenn man so will, werden die Schritte schwer und die Gedanken schwankend.
Wo will ich hin? Immer eine beklemmende Frage.
Und noch beklemmender: Und was, wenn ich dort bin?
Und noch drängender: Und wer wird dann noch bei mir sein?
Nein! Das Leben hat ein offenes Ende und: „Alles wird gut“, ist grüne Wiese auf der nix wächst.
Es kann gut gehen, es kann schief gehen und es kann vollkommen vergeblich sein,
was immer wir tun …

PGF 02/17

Ohne Worte

Wir sind umgeben von einer Welt aus Begriffen und Formulierungen.
Alles will Nachricht werden, will sich mitteilen, will verstanden, erklärt, begründet werden.

Aber, wird Begegnung nicht bedeutsam, wird sie nicht tief, wenn keine Worte nötig sind?
Weil eine stille Übereinkunft, alles klärt und Missverständnisse ausgeschlossen sind!

Es gibt ein Verstehen, welches nicht erklärt werden muss. Es ist ein gemeinsames Wissen.
Erlebtes Wissen, nicht gehörtes, gerade deshalb so unmittelbar!

Worte überbrücken die Distanz zwischen Seelen, die Raum oder Zeit trennt,
aber sie können denen im Weg stehen, die sich nah genug sind, ihrer nicht zu bedürfen.

02/17 PGF

Der leere Raum

Es gibt Momente, da wird die Wirklichkeit so dicht, dass unsere Sinne, sie nicht mehr durchdringen.
Wir hören andere reden und vielleicht sprechen sie sogar mit uns, aber es ist, als würden sie eine fremde, unverständliche Sprache sprechen …
und als würden wir irgendein Kauderwelsch reden, dass niemand versteht.

Und die Blick werden fremd,
vielleicht, weil das Verstörende, das wir fühlen, plötzlich präsent ist.

Weil es dieses Dasein so, gar nicht geben kann:
es kann diesen Affen, der zum Menschen wurde, nicht geben
und es kann diesen Planeten nicht geben, der einsam bewohnt,
seine Sonne umkreist,
es kann auch keine Sprache geben,
keinen Tisch, keinen Stift, kein Blatt Papier,
das ist alles gar nicht möglich,

ist zufällig in den leeren Raum gefallen

… oder aber so wundervoll, so zauberhaft und überwältigend,
dass der Himmel, die Bäume vorm Fenster,
diese Stimmen, die sich mit Worten verständigen,
alle von einem Zauber durchdrungen sind,
der uns überwältigt und sprachlos macht –

und wir, wie leerer Raum, vom Leben erfüllt werden.

02/17 PGF